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Kommentare zu Zitaten von Meister Baso
Unterweisung von Meister Roland Yuno Rech, Sesshin in der Grube Louise, Okt. 2007

Samstag, 1. Zazen

Folgt während Zazen nicht euren Gedanken. Bleibt auf die Haltung eures Körpers konzentriert. Atmet ruhig durch die Nase ein und aus und lasst die Gedanken vorbeiziehen. Durch diese Praxis der Konzentration klärt sich der Geist. Er beruhigt sich und wird klar. Die Intuition entwickelt sich, das heißt die Fähigkeit, die wahre Natur der Phänomene klar zu erkennen. Im Zazen lässt man die Gedanken vorbeiziehen, und wenn sie vorbeiziehen, haben sie keine feste Substanz. Sie ändern sich ständig, erscheinen und verschwinden. Wir können sie nicht ergreifen.

Das Gleiche gilt für den Geist, der die Gedanken beobachtet. Der Geist ist die Quelle der Gedanken und auch nicht fassbar. Wer dies tief versteht, versteht die wahre Natur des Geistes. Der Geist existiert nur in Verbindung mit den Phänomenen. Daher sagt man auch, dass er Leerheit sei, was nicht heißt, dass er nicht existiert, aber hat er keine eigene, autonome Substanz.
Auch existiert er überall, er zeigt sich überall, in jedem Augenblick, gerade weil er keine Substanz hat. Er wird nicht eingeschränkt von einer definierten Form. So kann er kreativ sein, weil er auf keinem Objekt verweilt. Alle Objekte, alle Phänomene können nur durch den Geist erkannt und wahrgenommen werden. Es ist unser Geist, der die Welt bildet, in der wir leben, indem er die Welt in einer gewissen Weise darstellt. Entsprechend dieser Darstellung leben wir alle in verschiedenen Welten.

Meister Baso sagte: „Die Gedanken können nicht erreicht werden, weil sie keine eigene Natur haben.“ Er fügte hinzu: „Die dreifache Welt ist nur Geist.“
Was man die dreifache Welt nennt, ist die Welt der Transmigration, die manchmal den Aspekt der Welt der Begierden annimmt, in der wir von unseren Begierden konditioniert sind. Hier nehmen wir die Welt von unseren Begierden und Abneigungen ausgehend wahr. Wir klassifizieren die Wesen je nachdem, ob wir sie mögen oder nicht, ob wir sie uns aneignen oder ihnen aus dem Weg gehen wollen. Das gilt für Wesen aber auch für Situationen, für Gedanken, für eine Praxis. Damit tun wir uns schwer, eine globale Sichtweise anzunehmen. Weil wir unseren Emotionen folgen, nehmen wir sehr oft nur eine Seite der Dinge oder Situationen wahr. Da wir alles nur von unserem eigenen Gesichtspunkt aus betrachten, können wir uns nicht in die Lage des anderen versetzen. Zazen praktizieren heißt, genau diese Funktionsweise des Geistes aufgeben. Wenn wir unsere Welt nicht nur unseren Begierden oder Abneigungen zufolge aufbauen, betreten wir die Welt, die man die Welt der reinen Formen nennt.

In der Welt der reinen Formen nehmen wir die Phänomene weiterhin wahr, aber ohne dass unsere Wahrnehmungen von Begierden oder Abneigungen verfärbt oder verformt wäre. Diejenigen, die auf einer gewissen Konzentrationsebene oder im Samadhi praktizieren, die sich auf die Beobachtung der Leerheit aller Phänomene konzentrieren, verlassen die Welt der reinen Formen, um die Welt ohne Formen zu betreten. In einigen besonderen Konzentrationszuständen bildet man gar keine Formen mehr, keine Darstellungen, keinen Gedanken, gar nichts mehr. Und selbst diese Welt ohne Formen ist bedingt. Sie ist auch ein geistiges Erzeugnis und hängt von unserem Geisteszustand ab, von unserem „Konzentrationsgrad“.

Diese drei Welten sind Darstellungen unseres Geistes. Je nach Geisteszustand können wir jeden Tag in einer anderen Welt leben. Das nennt man Transmigration. Selbst innerhalb der Welt der Begierden können wir von einem höllischen Zustand zu einem Zustand der Glückseligkeit gelangen, je nach dem welche Gefühle wir haben und wie wir auf Phänomene reagieren.

Wenn man Zazen praktiziert, versteht man tief, dass all das keine Substanz hat. Es ist einfach das Spiel der wechselseitigen Abhängigkeit. Die Welt, die vorher durch unsere geistigen Gifte wahrgenommen wurde, durch unsere Gier, unsere Aggressivität und unsere Unwissenheit, wird zur Welt des Dharma, der Welt, in der wir in jedem Augenblick mit jeder Handlung den Weg praktizieren, der Welt, in der wir uns mit der kosmischen Ordnung harmonisieren. Das Samsara wird so augenblicklich zum Nirvana, zu einer friedlichen Welt, wenn wir den hishiryo-Geist praktizieren, der auf keinen Konstruktionen verweilt, den Geist, der sich mit der Unbeständigkeit versöhnt und sich mit ihr harmonisiert. Er versucht nichts zu ergreifen und nichts abzulehnen, was immer es auch sei. Es ist die große Freiheit.

Wir können in dieser dreifachen Welt weiterleben, ohne uns an eine dieser Welten zu klammern, wenn wir ihre wahre Natur sehen: nur Geist, nur Leerheit, nur das Spiel der kosmischen wechselseitigen Abhängigkeit.