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Kommentare zu Zitaten von Meister Baso
Unterweisung von Meister Roland Yuno Rech, Sesshin in der Grube Louise, Okt. 2007

Freitag, Mondo

Frage: In den Gesprächen zwischen Baso und Nangaku heißt es, für Buddha gibt es keine Form, und für das Erwachen gibt es keine Form und keinen speziellen Ausdruck. Könnte man sagen, dass man versucht, während der Zeremonien das Erwachen in irgendeine Form zu bringen und es auszudrücken? Offensichtlich gibt es für das Erwachen eine Bestätigung, das Shiho, weil man sich sonst darüber etwas vormachen könnte.

Roland Rech: Wenn man versucht, das Erwachen in eine Form zu pressen, irrt man sich und dann kann es kein Shiho, keine Bestätigung geben. Die Zeremonien sind nicht dazu da, um durch sie das Erwachen zu erlangen. Es geht auch nicht um die Form der Zeremonien, sondern um die Art, wie man sie ausführt. Es kann durchaus eine Gelegenheit sein, diese innere Befreiung des Erwachens auszudrücken unter der Bedingung, dass man an der Form nicht festhält.

Allerdings leben wir in der Welt der Phänomene, der Formen. Da dürfen wir nicht glauben, dass das Erwachen sich außerhalb der Welt der Formen verwirklichen kann. Es geht darum, die wahre Natur der Formen zu erkennen, das heißt zu verstehen, was Leerheit ist. Shiki, die Form is, ku, Leerheit.
Wir sollten jedoch nicht glauben, dass wir die Welt der Formen ablehnen müssten, sondern sie stattdessen durch die große Freiheit ausdrücken und leben, ohne uns an sie zu klammern. Wir können ihnen sowieso nicht ausweichen. Wir haben einen Körper und nehmen von Augenblick zu Augenblick eine andere Haltung ein. Leerheit bedeutet nicht zu verschwinden, sie bedeutet nicht nichts. Leerheit bedeutet, die wahre Natur unseres Körpers und unseres Geistes zu verstehen und zu sehen, dass sie keine feste Form haben. So wird ein Geist verwirklicht, der keine bestimmte Form sucht. Wenn wir an keiner Form festhalten, können alle Formen zu einer Gelegenheit werden, den Weg auszudrücken.

Zu glauben, dass man den Formen aus dem Weg gehen kann, ist eine Illusion. In diesem Moment versucht das Ego, die Nicht-Form zu erfassen und in den Gegensatz zur Form zu stellen. Es ist der gleiche Fehler wie bei jemanden, der die Reinheit sucht und die Unreinheit verwirft. Genau das ist Basos Empfehlung in seiner Unterweisung: weder die Reinheit festhalten, noch die Unreinheit ablehnen. Sobald wir diese dualistische Sichtweise annehmen und uns zum Beispiel an Formen klammern und die Leerheit verwerfen oder umgekehrt, oder an Reinheit oder Unreinheit, sind wir wieder Gefangene des dualistischen Geistes. Das ist nicht das Erwachen!
Die Zeremonien hingegen sollte man nicht irgendwie praktizieren sondern so gut wie möglich. Aber wir dürfen ihnen nicht anhaften. Ablehnung ist übrigens auch eine Form von Anhaftung, eine Anhaftung an die Nicht-Zeremonie.

 

Frage: Buddha hat das An-Atman gelehrt. Er hat gelehrt, dass es kein unabhängiges, unsterbliches Selbst gibt. Er hat auch die Karma-Unterweisung weitergegeben. Für mich gibt es da einen Widerspruch. Wenn meine Handlungen karmische Auswirkungen haben, wie können die nach meinem Tod ohne einen Träger weiterbestehen?

R.R.: Der Träger ist das Bewusstsein.

F.: In diesem Fall würde es sich um ein allgemeines Bewusstsein handeln.

R.R.: Nein. Dies ist die schwierigste Frage. Man hat versucht, alle möglichen Lösungen für diesen scheinbaren Widerspruch zu finden. Aber wenn der Buddha ein beständiges Atman in Abrede stellt, ein Atman, wie es die Hindus begreifen, eine Substanz, dann heißt dies nicht, dass ein Bewusstsein, das keine beständige Substanz ist, sich aber ständig weiterentwickelt und transformiert, nicht weiterbestehen kann. Zum Beispiel schläft man abends mit einem bestimmten Bewusstseinszustand ein. Wenn man am Morgen aufwacht, ist der Bewusstseinszustand nicht mehr genau derselbe, aber auch kein völlig anderer. Er ist die Fortsetzung von etwas.

Wir müssen verstehen, dass die Kontinuität, so wie Buddha sie bei seinem Erwachen wahrgenommen hat, eine Kontinuität in der wechselseitigen Abhängigkeit ist. Sie bringt ständig Veränderungen mit sich. Jeder Körper verändert sich, jedes Bewusstsein, alle Elemente des Daseins. Daher sind wir auch in diesem Leben von einem Augenblick zum andern nicht mehr genau derselbe aber auch kein völlig anderer.
Hinsichtlich des Mysteriums, das sich zwischen Tod und Wiedergeburt ereignet, ist es ganz klar, dass das Bewusstsein im Moment des Todes eine Transformation erfährt. Es ist nicht etwas, dass man aus einem toten Körper entfernt und in einen neuen Körper einpflanzt. Die Erfahrung des Todes verändert das Bewusstsein. Aber ein Bewusstseinsstrom besteht weiter, auch wenn er nach der Erfahrung des Todeskampfs und des Todes verändert wurde. Er ist nicht genau derselbe wie vorher aber auch kein völlig anderer, sondern eine Fortsetzung.

Ich glaube, die beste Methode ist, weder dem Nihilismus noch dem Glauben an eine Ewigkeit zu verfallen. Das heißt, weder zu glauben, mit dem Tod wäre alles beendet, alles würde sich auflösen, noch dem Dogma der Ewigkeit anzuhängen, also zu glauben, dass es im Grunde unseres selbst eine Substanz gibt, die sich nie verändert, die unsterblich ist und von Körper zu Körper weitergegeben wird. Buddha hat dies abgelehnt.

F.: Das würde bedeuten, dass es ein Bewusstsein gibt, das nicht an die Hirnfunktionen gebunden ist.

R.R.: Ja. Natürlich gibt es eine Verbindung zwischen dem Bewusstsein und dem Gehirn, aber es gibt psychische Phänomene wie zum Beispiel die Übertragung von Gedanken, bei denen man sieht, dass das Bewusstsein sich nicht auf den Raum des Gehirns beschränkt. Offensichtlich gibt es eine Art Ausgang für das Bewusstsein, der das Übertragen von Informationen ohne materiellen Träger ermöglicht. In gewisser Hinsicht klingt es sehr mysteriös.

Ich diskutierte darüber mit einem Übersetzer von Buddha-Sutras. Er sagte, dass sich im Raum um uns herum alle möglichen Informationen in Form von Wellen, Radio oder Telefon zum Beispiel, bewegen ohne materiellen oder sonstigen Träger. Es reicht aus, einen entsprechenden Apparat zu haben, damit sich diese Information ohne Form, ohne Träger plötzlich konkretisiert. Ah, ein Bild, Ton, eine Stimme! Das können wir wissenschaftlich erklären, weil wir es selber erzeugt haben. So ähnlich geschieht es auch bei dem menschlichen Geist, außer dass wir es noch schwerlich erklären können. Die Phänomene der Kommunikation über Entfernungen sind auf geistiger Ebene mittlerweile ermittelt, nicht nur bei den Menschen sondern auch bei Tieren und auch ohne sichtbaren materiellen Träger.

Selbst wenn im Moment die wissenschaftlichen Mittel fehlen, um den Vorgang der Transmigration eines Bewusstseins zwischen einem verstorbenen Individuum zu einem gerade entstandenen Zellhaufen zu beweisen und es daher heute als Mythos, als Glaubensgegenstand angesehen wird, ist es meiner Meinung nach ein exzellenter Gegenstand des Glaubens, der beste Mythos! Im Vergleich zu all den anderen Konzeptionen der Welt, ist es für mich die beste Art und Weise, das Leben und den Tod zu betrachten, denn sie behält einen gewissen Sinn für Verantwortlichkeit bei, was ich sehr wichtig finde. Wenn sich die Auswirkungen unserer Handlungen nur auf dieses Leben beschränken würden, wenn es keine Karma-Wirkung aus vorherigen Leben geben würde, wenn man also einen nihilistischen Standpunkt hätte, gäbe es viele negativen Konsequenzen. Um das weiter auszuführen, müsste man ein langes Teisho halten.

Aber wenn wir stattdessen diese Sichtweise annehmen, dass sich etwas von Geburt zu Wiedergeburt fortsetzt, können wir uns darüber bewusst werden, dass das was uns passiert mit einer karmischen Kausalität zusammenhängt. Es liegt nicht an einem schlechten Schicksal oder an einem bösen Dämon, der sich gegen uns wendet. Unsere eigene Verantwortlichkeit schafft unsere Lebensbedingungen! Das ermöglicht es uns einerseits, sie zu akzeptieren und andererseits, sie zu verändern. Wenn man sich hier und jetzt seiner Fehler bewusst wird und sie bereut, so wie wir es im Sangemon singen, engagiert man sich in einer Praxis des Lebens, und Veränderung wird im Laufe das Daseins möglich.
Die Bodhisattva-Gelübde, die wir aussprechen, sind enorme Gelübde, die dem Leben einen tiefen Sinn geben. Aber wenn wir unseren Handlungsraum auf die paar Jahre begrenzen, die wir zu leben haben, können wir sie nicht realisieren. Das ist offensichtlich. Ein Leben reicht nicht aus, um mit allen Illusionen, mit allen bonno fertig zu werden. In einem Leben kann man niemals alle Dharma verwirklichen oder alle Wesen retten. Aber wenn wir uns auf eine unbegrenzte Zeit einstellen, auf eine unbegrenzte Anzahl von Leben, ist alles möglich.
Daher glaube ich, dass man nicht beweisen kann, dass die Fortführung einer Existenz in einer anderen unmöglich sei. Jedoch kann man leicht verstehen, dass sehr viele negative Konsequenzen entstehen, wenn man nicht daran glaubt, und der Glaube daran wirklich positive Auswirkungen hat.

Ich denke, dass unsere Gedanken einen relativen Wert haben. Wichtig aber ist, welche Auswirkungen unsere Denkweise auf unser Leben hat. Genau darüber geht es weiter in der Unterweisung von Baso, dessen Thema die drei Welten sind, die drei Welten, die einen einzigen Geist bilden. Was heißt das? Das heißt, dass die Welt, in der wir leben, völlig von unserem Geist abhängt. Wir glauben immer, unsere Welt wäre abhängig von den Phänomenen außerhalb von uns selbst, von dem was um uns herum geschieht. Aber die Welt, wie wir sie erleben, hängt ganz grundlegend von unserem Geisteszustand ab, von unserer Art zu denken. Je nach dem wie wir denken, können wir dieselbe Welt, dieselben Phänomene auf ganz verschiedene Weise wahrnehmen. Ich glaube, wer an Wiedergeburt mit dem Verständnis des Karma denkt, kann wirklich den Weg Buddhas betreten und das Buddha-Dharma auf sehr positive Weise praktizieren. Wenn wir jedoch das Dharma Buddhas mit einer nihilistischen Sichtweise praktizieren wollen, indem wir glauben, dass nach dem Tod alles vorbei wäre, können wir vielen Hindernissen begegnen. Dogen war auch dieser Meinung. Er sagte: „Wenn ihr nicht an mehrere Leben, an die Karmafolge in den drei Zeiten glaubt, habt ihr nicht den geeigneten Geist, um den Weg Buddhas zu betreten. Ihr könntet ihn nicht einmal erreichen.“ Da war er ganz kategorisch. Ich habe viel über diese Unterweisung Dogens nachgedacht, und es hat mich zu dem geführt, was ich gerade erklärt habe.