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Kommentare zu Zitaten von Meister Baso
Unterweisung von Meister Roland Yuno Rech, Sesshin in der Grube Louise, Okt. 2007

Freitag, 2. Zazen

Während dieses Sesshins werde ich Aussagen von Meister Baso kommentieren. Sein chinesischer Name war Mazu. Er lebte im 8. Jahrhundert in China und war Schüler von Nangaku, der selber Schüler von dem 6. Patriarchen Eno (Hui-Neng auf Chinesisch) war. Baso hatte selber große Schüler, zum Beispiel Hyakujo und Nansen. Meister Dogen wurde von dem berühmten Gespräch zwischen Baso und seinem Meister Nangaku inspiriert.

Eines Tages fragte ihn Nangaku: „Mit welchem Ziel sitzt du da und meditierst?“
Baso antwortete: „Ich meditiere, um Buddha zu werden.“
Das heißt, um ein Erwachter zu sein, um wie Buddha Shakyamuni zu werden. Jeder von uns müsste sich fragen, warum er Zazen praktiziert. Die Motivation ist sehr wichtig. Für unsere Gesundheit, unser Wohlergehen? Um zur tiefen Dimension unserer Existenz zu erwachen? Diese Dinge sind nicht unbedingt widersprüchlich, denn es gibt kein wahres Wohlergehen, wenn es einem nicht gelingt, zur wahren Natur seiner Existenz zu erwachen.
Bodhai shin ist der Geist des Erwachens, der Geist Buddhas. Er bedeutet, Zazen zu praktizieren, um zu erwachen und um allen Wesen zu helfen, das Erwachen zu verwirklichen. Wir singen es jeden Tag mit den Bodhisattva-Gelübden. Aber wie können wir es wirklich realisieren? Darum geht es beim Mondo zwischen Baso und Nangaku.

Nangaku griff nach einem Ziegel und fing an ihn zu polieren.
Baso fragte ihn: „Was macht ihr da? Warum poliert ihr diesen Ziegel?“
„Ich poliere ihn, um aus ihm einen Spiegel zu machen.“
Baso fragte weiter: „Aber wie soll denn aus einem Ziegel, auch wenn man ihn poliert, jemals ein Spiegel werden?“
Nangaku erwiderte: „Wenn man aus einem Ziegel, den man poliert, keinen Spiegel machen kann, wie kann man ein Buddha werden, wenn man im Zazen sitzt?“

Viele Menschen dachten, Nangakus Antwort bedeute, dass es unnötig sei, Zazen zu praktizieren, um zu erwachen. Denn aus einem Ziegel kann man im üblichen Sinn niemals einen Spiegel machen. Man könnte sagen, der Ziegel kann niemals ein Spiegel werden, weil er keine Spiegelnatur hat. Um Buddha zu werden, muss man bereits die Buddha-Natur haben. Wenn wir das Polieren des Ziegels als unsere eigene Zazen-Praxis verstehen, können wir begreifen, dass es das Polieren selber ist, das zum Spiegel wird. Diese Tätigkeit, Zazen zu praktizieren, wird selbst Buddha.

Baso fragte: „Was soll ich also tun?“
Nangaku antwortete: „Es ist wie bei einem Karren, vor dem ein Büffel gespannt ist. Wenn der Karren nicht vorwärtskommt, wen muss man schlagen, den Büffel oder den Karren?“
Baso antwortete nicht.

In diesem Mondo scheint Nangaku absurde Dinge vorzuschlagen: einen Ziegel polieren, um aus ihm einen Spiegel zu machen, einen Karren zu schlagen, um ihn in Bewegung zu bringen. Kein Wunder, dass Baso nicht antwortete. Auf derartige Fragen kann man nicht mit seinem gewöhnlichen Geist antworten, aber durch die Praxis kann man verstehen. Der Ziegel und der Karren sind Objekte, Dinge. Buddha und das Erwachen hingegen sind nicht etwas. Zazen praktizieren ist nicht etwas tun. Es ist eine Praxis ohne Zweck, ohne Gegenstand. Das Problem ist nicht, voranzukommen oder zurückzufallen. Die Frage ist: Wie praktizieren wir, so dass die Praxis hier und jetzt Erwachen ist und zum Spiegel wird?

Nangaku sagte weiter: „Willst du lernen, in Zazen zu sitzen oder in Buddha zu sitzen? Wenn du lernen möchtest, in Zazen zu sitzen, dann wisse, dass Zazen weder von der sitzenden noch von der liegenden Haltung abhängig ist.“

Nachdem Dogen erklärt hatte, wie man im Zazen sitzt, sagte er im Fukanzazengi: „Zazen hat nichts mit der sitzenden oder liegenden Haltung zu tun.“ Er zitierte genau Nangakus Unterweisung. Obwohl wir in Zazen unbeweglich sitzen, ist Zazen jenseits von jeder festen Form. Zazen ist Körper und Geist in Einheit in allen Haltungen und Tätigkeiten des Lebens. Zazen hält nicht an bei der Haltung im Lotus- oder Halblotussitz. Zazen ist, ständig und in jedem Augenblick mit dem Leben in Einheit zu sein, 24 Stunden lang, Tag und Nacht. Das ist der Sinn eines Sesshins: völlig mit Körper und Geist vertraut werden in allen Haltungen, an allen Orten, in jedem Augenblick. Dafür dürfen wir nicht an einer bestimmten Form festhalten.

Das heißt nicht, dass wir uns nicht auf die Form konzentrieren sollen. Wenn wir in Zazen sitzen, gehen wir völlig in der Form der Zazen-Haltung auf. Wenn wir gassho machen, sind wir völlig eins mit der gassho-Haltung. Das gleiche gilt für kinhin, für sampai, wenn wir singen, essen oder Gemüse putzen. Es ist die beständige Praxis jenseits jeder festen Form. Diese Praxis besteht darin, jede Form in jedem Augenblick zu durchdringen, ohne sich an sie zu haften, indem wir immer verfügbar sind für den neuen Augenblick, für die neue Form, die auftaucht und und im nächsten Augenblick aufdrängt.

Nangaku fügte hinzu: „Wenn du lernen willst, wie Buddha zu sitzen, dann wisse, dass Buddha keine bestimmten Merkmale hat.“
Das bedeutet, dass wir uns Buddha nicht vorstellen können. Buddha darf keine unserer geistigen Konstrukte werden. Wenn wir aus Buddha eine Vorstellung, ein geistiges Produkt machen, würden wir ihn buchstäblich töten, das heißt, wir würden ihm Eigenschaften zuzuordnen, die er nicht hat. Buddha als Erwachen zur Wirklichkeit lässt sich nicht in bestimmte Merkmale einschließen, genauso wenig wie der Geist im Zazen. Hishiryo, über jeden Gedanken, der abwägt oder der in Eigenschaften einzwängt, hinausgehen.

Nangaku sagte weiter: „Im Dharma des fehlenden Wohnsitzes haftet man weder am Erlangen noch am Loslassen.“
Jeder von uns versteht, dass wir nicht am Erlangen festhalten dürfen, denn wir kennen die Unterweisung von mushotoku: ohne Gewinnstreben praktizieren, ohne Erwartung auf Belohnung. Nangaku geht noch weiter, indem er uns rät, nicht am Loslassen festzuhalten. Manchmal bedeutet es, zu akzeptieren, dass man anhaftet, ohne jedoch in dieser Anhaftung zu verweilen.

Abschließend sagte er: „Wenn du wie Buddha sitzt, tötest du Buddha. Wenn du dich an den Begriff der sitzenden Haltung klammerst, wirst du nicht die absolute Wahrheit erreichen.“
Man sagt, dass Baso von dieser Unterweisung ganz begeistert gewesen war, so als ob er den erlesensten Nektar getrunken hätte. Ich hoffe, euch geht es wie ihm.