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Unsere wahre Natur
Unterweisung von Meister Roland Yuno Rech, Sesshin in der Grube Louise, Okt. 2006

Samstag, 1. Zazen

Kehrt während Zazen immer wieder zur Konzentration auf euren Körper zurück. Folgt nicht euren Gedanken, folgt eher eurer Atmung. Wenn wir uns auf die Körperhaltung konzentrieren, hören wir auf, mit der linken Gehirnhälfte, mit dem Sprachzentrum zu denken. Wir halten den Betrieb des Geistes an, der Trennungen und Gegensätze erzeugt. Die rechte Gehirnhälfte, die ganzheitlich und augenblicklich wahrnimmt, ohne Begriffe oder Worte zu benutzen, wird aktiv. Auf diese Weise treten wir direkt mit der Wirklichkeit unseres Lebens in Kontakt, jenseits der Gedanken. Dann können wir erkennen, dass unser Leben nicht nur unser Leben ist, sondern das Leben aller Wesen, das Leben des ganzen Universums. Wir erleben uns als Teil des Ganzen, und alle Wesen praktizieren hier und jetzt Zazen mit uns, ohne Trennungen. Es ist die Verwirklichung der Buddha-Natur, einer Natur ohne Trennungen zwischen allen Existenzen.

Eines Tages wollte Bodhidharma prüfen, wie weit das Verständnis seiner engsten Schüler ging. Er bat sie, ihr Verständnis auszudrücken. Der erste Schüler äußerte sich, worauf Bodhidharma erwiderte: „Du bekommst meine Haut.“ Der zweite Schüler gab seine Antwort, woraufhin Bodhidharma sagte: „Du bekommst mein Fleisch.“ Der Dritte antwortete wieder anders, und Bodhidharma sagte zu ihm: „Du bekommst die Knochen.“ Der vierte Schüler namens Eka stand auf und machte einfach sampai, ohne ein Wort zu sagen. Bodhidharma sagte daraufhin: „Du bekommst mein Mark.“ So wurde Eka der zweite Patriarch in China, Bodhidharmas Nachfolger.

Im Allgemeinen denkt man, dass Eka ein tieferes Verständnis hatte als die anderen, so wie das Mark tiefer in unserem Körper ist als Haut, Fleisch und Knochen. Dogen lehnt diese Interpretation ab, weil sie dualistisch ist. Sie ermutigt dazu, Trennungen und Kategorien zu schaffen. In Wirklichkeit können Haut, Fleisch, Knochen und Mark in unserem Körper nicht getrennt werden. Sie funktionieren zusammen, wie alles im Universum zusammen funktioniert. Nichts existiert getrennt. Das ist genau das Verständnis der Nicht-Getrenntheit, die die Verwirklichung der Buddha-Natur ist, die Essenz vom Erwachen Buddhas.

Es reicht nicht aus, dies nur auf der Ebene der Sprache, der Worte, der Erklärungen zu verstehen. Es reicht nicht aus, um unser Leben zu transformieren, um unseren engen, begrenzten Geist aufzugeben. Um wahrhaft zu erwachen, müssen wir es mit Körper und Geist in Einheit realisieren, Körper und Geist zusammen in Einheit mit allen Wesen. Dies können wir am besten verwirklichen, wenn wir völlig auf die Körperhaltung in Zazen konzentriert sind, wenn wir uns völlig auf die Atmung konzentrieren, von der Atmung absorbiert werden. Die Atmung verbindet uns Augenblick für Augenblick mit unserer Umgebung, sie überschreitet die Trennung zwischen innen und außen. Diese Nicht-Getrenntheit realisiert sich nicht nur in der Dimension des Raums: ich und die anderen, drinnen und draußen, wir selbst und alle Wesen, sondern auch in der Zeit, denn Sein und Zeit sind nicht getrennt.

Wenn also Bodhidharma sagt: „Ihr bekommt meine Haut, mein Fleisch, meine Knochen, mein Mark", wendet er sich nicht nur an seine vier engsten Schüler. Er spricht zu uns hier und jetzt in diesem Dojo. Diejenigen, die shikantaza praktizieren, die das Zazen Bodhidharmas praktizieren, indem sie sich selber völlig in der Konzentration auf Haltung und Atmung vergessen, bekommen seine Haut, sein Fleisch, seine Knochen und sein Mark. Es handelt sich nicht nur um Bodhidharmas Haut, Fleisch und Knochen sondern um die Essenz des Leben Buddhas, der Leben aller Wesen, jenseits von hier und anderswo, von jetzt oder früher.