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Unsere wahre Natur
Unterweisung von Meister Roland Yuno Rech, Sesshin in der Grube Louise, Okt. 2006

Freitag, 3. Zazen

Warum sind wir hier? Wir haben uns versammelt, um gemeinsam Zazen zu praktizieren, anstatt den Aktivitäten unseres täglichen Lebens nachzugehen. Wahrscheinlich wurden wir von etwas gerufen, von dem Bedürfnis, zu der wahren Natur unserer Existenz zu erwachen und nicht an ihr vorbei zu laufen. Ansonsten könnten wir eines Tages ein unendliches Bedauern verspüren.
Am Anfang des Kapitels "Bussho" im Shobogenzo zitiert Meister Dogen Buddha Shakyamuni: „Alle fühlenden Wesen haben ausnahmslos die Buddha-Natur. Der Tathagata verweilt ewig ohne Änderung.“ Es ist ein Zitat aus dem Nirvana-Sutra.
Dogen fügt hinzu: „Es ist das Löwenbrüllen unseres großen Meisters Buddha, der das Dharma predigt. Es ist auch die Essenz aller Buddhas und aller Meister der Weitergabe. Diese Studien werden zweitausend Jahre lang über fünfzig Generationen weitergegeben.“ Mittlerweile sind es neunzig Generationen.

Alle Wesen haben die Buddha-Natur bedeutet, dass alle Wesen ohne Ausnahme erwachen können. Einige Menschen denken, dass Buddha ein außergewöhnliches Wesen war, das erwachen konnte, aber ihnen würde es nie gelingen. Sie benutzen diese Unterscheidung als Entschuldigung, um den Weg nicht zu praktizieren.
Die Übermittlung des Vertrauens, dass alle die Buddha-Natur haben, ist der wesentliche Punkt der Unterweisung Buddhas und aller Meister der Weitergabe. Wenn wir Zazen praktizieren, kann diese Natur sich verwirklichen. Das ist der Sinn unserer Bemühungen. Es ist wichtig, dieses Vertrauen zu entwickeln.

Was bedeutet es, die Buddha-Natur zu haben? Bedeutet es, dass wir tief im Inneren etwas besitzen, das man Buddha-Natur nennt? Einige glauben das. Dogen meinte, es wäre der Ausdruck der Frage „Was kommt da?“ Wenn wir uns diese Frage so stellen, wie ich es heute früh getan habe, merken wir, dass wir überhaupt nichts erfassen können. Das Wesentliche unserer Existenz ist nicht fassbar. Was manchmal „unser tiefes Selbst“ genannt wird, ist nicht etwas. Es ist nichts Begrenztes, das man definieren, sehen oder besitzen könnte. Wir können es nicht erfassen, genauso wie wir unsere eigenen Augen nicht sehen können. Wir sind einfach diese Buddha-Natur.

Wir sind die Buddha-Natur. Weil sie die wahre Natur unserer Existenz ist, sind wir dermaßen mit ihr vertraut, dass wir uns nicht von ihr trennen können, um sie zu beobachten. Beobachten ist die Buddha-Natur. Praktizieren ist die Buddha-Natur. Dogen sagt zum Schluss: „Alle Wesen" – nicht nur alle fühlenden Wesen sondern alle Wesen – „sind die Buddha-Natur." Nicht, dass sie die Buddha-Natur haben oder besitzen, sondern dass sie konkret die Buddha-Natur sind.
Umgekehrt ist die Buddha-Natur alle Wesen, die Gesamtheit aller Wesen, die Tatsache, dass wir uns von dieser Gesamtheit nicht trennen können. Anders gesagt ist sie die Essenz unserer Existenz.
Da wir nicht alleine existieren, sondern in völliger Wechselbeziehung mit allen Wesen, bedeutet „sein“ in wechselseitiger Abhängigkeit zu leben. Diese Wirklichkeit existiert immer und gilt für alle Wesen. Es ist das Leben ohne Trennungen. Wahrscheinlich ist es die Quelle des wahren religiösen Geistes: sich nicht getrennt von der Gesamtheit fühlen. Man nennt es Gott, Buddha, Buddha-Natur, egal mit welchen Namen, mit welcher Bezeichnung.

Da Zazen die linke Gehirnhälfte beruhigt, die Gehirnhälfte des gewöhnlichen Geistes, der Trennungen schafft, ist es möglich, diese Wirklichkeit zu erfahren und den Weg wiederzufinden, der nie aufgehört hat zu existieren, so wie ihn Shakyamuni gefunden hat. In einer Zeit wie der heutigen, in der die Ichbezogenheit bestärkt wird und jeder von seiner Identität besessen ist, ist es sehr wichtig, diesen Sinn der Nicht-Getrenntheit wiederzufinden, diesen Sinn, der es ermöglicht, eine mitfühlende und wohlwollende Haltung allen Wesen gegenüber zu entwickeln. Wir teilen die Buddha-Natur mit allen Wesen. Sie nähert uns an, vereint uns und übersteigt das Gefühl der Einsamkeit. Wir fühlen uns alleine, wenn wir es uns in unserem Ego bequem machen und an Unterschiede haften.

Wer Zazen praktiziert, hat insbesondere auf Sesshins die Möglichkeit, diese Anhaftungen aufzugeben. Wir können alles loslassen, was uns besonders macht, und uns auf das konzentrieren, was uns vereint. Dies ist insbesondere für Mönche und Nonnen der Sinn ihres Lebens und ermöglicht der Sangha, eine harmonische Gemeinschaft zu bilden. Alles, was uns annähert, was wir gemeinsam teilen, ist unendlich wichtiger als unsere Unterschiede, als alles, was uns trennt. Aus diesem Grund ist die Sangha einer der drei Schätze. Im Schoß dieser Gemeinschaft kann der Sinn des Dharma sich am besten aktualisieren.