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Buddha sein im Alltag
Unterweisung von Meister Roland Yuno Rech, Sesshin in der Grube Louise, Feb. 2009

Samstag, 2. Zazen

Je mehr man an seine Anhaftungen festhält, desto mehr entwickeln sie sich. Wenn wir sie vorbeiziehen lassen und uns auf Haltung und Atmung konzentrieren, beruhigen sie sich auf natürliche Weise. Alles, was während Zazen in unserem Geist auftaucht, ist an Ursachen und Bedingungen gebunden, wie alle Phänomene in diesem Universum. Daher sind all unsere geistigen Erzeugnisse unbeständig. Der Zustand des Geistes ändert sich ständig, genauso wie der Himmel. Gefühle und Erinnerungen kommen und gehen. In Zazen kann man sehen, dass sie wie in einem Traum sind, ohne Substanz. Wenn wir ihre Leerheit beobachten, wird sie wie das klare Licht im reinen Land.

Im Alltag werden wir oft traurig, wenn wir der Unbeständigkeit begegnen. Verlust und Trauer hinterlassen tiefe Wunden an unserem Ego. Wir beklagen sie und leiden. Während Zazen wird die Beobachtung von mujo, der Unbeständigkeit, zur Quelle des Erwachens, weil sich unser Geist mit ihr harmonisiert, anstatt sich ihr zu widersetzen. Unser Geist wird selber völlig mujo. Er verweilt auf nichts und harmonisiert sich ganz natürlich mit der tiefsten Wirklichkeit, die ohne Substanz ist. Wir brauchen uns dann nicht mehr irgendwo festhalten, wir müssen nichts ergreifen. Selbst wenn unser Ego nicht mushotoku sein kann, wird es unser Geist in Zazen. Diese Erfahrung ist eine große Befreiung. Es ist die Erfahrung des Lebens Buddhas, des erwachten Lebens, des Lebens in Harmonie mit dem Dharma, mit der kosmischen Ordnung, des Lebens jenseits unserer kleinen und großen Anhaftungen. Es ist jenseits von klein und groß, von kurz und lang, von allen Maßen und Vergleichen.

Im Lotus-Sutra sagt Buddha: „Seit ich begann, das Leben des Bodhisattvas zu führen, hat dieses Leben eine unermessliche Dauer.“ Das heißt, es hört nie auf. Buddha wird nicht geboren und stirbt nicht. Unermessliche Dauer heißt ewige Gegenwart. Das erfahren wir in der Zazen-Praxis. Wenn wir den berechnenden Geist aufgeben, der das Ende erwartet oder Angst vor dem Ende hat, durchdringen wir den gegenwärtigen Augenblick mit Körper und Geist in Einheit. Dann sind wir jenseits von Mangel und Überfluss, und es ist nicht nötig, etwas ergreifen oder verwerfen zu wollen. Mushotoku wird zur natürlichsten Seinsweise. In dieser Praxis gibt es keine Trennungen mehr zwischen gyo, der Praxis, und butsu, dem Erwachen. Es ist so, als würden wir in das reine Land Buddhas gelangen mit einem Geist, der über alle Beschmutzungen des gewöhnlichen Geistes hinausgeht.

Kodo Sawaki sagte dazu: „Der Geist des Weges gibt das Unglück auf und verwirklicht das Glück.“ Mit dem Geist des Erwachens, dem Geist des Weges seid ihr überall glücklich. Dann gibt es keinen unglücklichen Ort, keine unglückliche Zeit mehr. Bodai shin, den Geist des Erwachens verwirklichen heißt, ohne Trennung von dem Universum zu sein, ohne Trennung zwischen einem selbst und den anderen oder der Natur. Wir sind überall völlig bei uns selbst und hören auf, wie Fremde auf dieser Erde umherzuirren. Das ist das Verdienst, wenn wir in der Zazen-Praxis tief mit uns selbst vertraut werden.