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Buddha sein im Alltag
Unterweisung von Meister Roland Yuno Rech, Sesshin in der Grube Louise, Feb. 2009

Freitag, 2. Zazen

Wenn man das Dojo betritt, verbeugt man sich vor der Buddha-Statue, vor dem Buddha, der auf dem Altar steht. Am Ursprung unserer Praxis ist Shakyamuni Buddha, der das Ideal, die völlige Verwirklichung dieser Praxis repräsentiert. „Buddha“ bedeutet, in der Praxis ganz konkret zur wahren Natur seiner Existenz zu erwachen und sich mit diesem Erwachen zu harmonisieren, so dass es alle Handlungen unseres täglichen Lebens durchdringt.

Aber im Buddhismus gibt es alle Arten von Vorstellungen und Auffassungen über Buddha, insbesondere über die Theorie der drei Buddha-Körper. Oft sieht man, dass diejenigen, die dem Weg folgen, an diesen Vorstellungen über Buddha festhalten. Buddha wird wie ein Gott, den man sich außerhalb von einem selbst vorstellt und der ein weit entferntes Ideal ist.

Zu diesem Thema gibt es eine Unterweisung von Meister Dogen im dreiundzwanzigsten Kapitel des Shobogenzo. Es heißt „Gyobutsu yuigi“. Butsu ist Buddha, gyo ist die Praxis wie in gyoji. Yui oder ii bedeutet würdig und gi ist die Tätigkeit, das Verhalten, die Verhaltensweisen. Es geht folglich um das würdige Verhalten der Buddhas, die den Weg praktizieren. Es sind Wesen, die den Weg mit ihrem ganzen Körper, ihrem ganzen Geist praktizieren.
Dogen sagt, es sind nicht nur die Buddhas, wie sie in den buddhistischen Lehren beschrieben werden, so wie die Buddhas in ihrem Körper der Glückseligkeit oder der Umwandlung. Es sind nicht die Buddhas, die das Erwachen für sich selbst erlangt haben, so wie die Pratyeka-Buddhas. Es sind nicht einmal die Buddhas, die das Erwachen für die anderen verwirklicht haben. Das Erwachen ist jenseits von Begriffen wie „erlangt haben“ oder „angeboren sein“. Die gyobutsu sind lebende Buddhas, keine imaginären Buddhas, sondern ganz konkrete Buddhas im täglichen Leben, auf Sesshins, so wie ihr, so wie ich. Diese Buddhas sind auf die Praxis konzentriert und erwarten niemals das Satori.

Diejenigen, die praktizieren und dabei auf das Satori warten, sind wie Bettler, die ihr ganzes Leben herumirren, ohne ihren wahren Reichtum zu kennen. Etwas über die Praxis hinaus zu erwarten verunreinigt die Praxis und verhindert die Verwirklichung. Auch wenn wir ab und zu diese Art von Gedanken haben, sollten wir sie schnell wieder aufgeben und uns nicht an Vorstellungen über Buddha, das Erwachen, Satori haften. Einfach unsere ganze Energie, unser ganzes Vertrauen in die Praxis selbst legen. Die Praxis führt uns über Illusionen und Erwachen hinaus, über jeden Gedanken hinaus, über die Anhaftung an die Vorstellung, die man von sich selber hat, und sogar über Leben und Tod hinaus.

Wer mit einem Geist praktiziert, der von allen Vorstellungen befreit ist, braucht keine Anerkennung erwarten. Er klammert sich an keine Stellung. Der Weg ist überall unter unseren Füßen, in unserem Körper, in unserem Geist, überall und immer. Wie auch immer die Umstände sein mögen, es sind gute Umstände, um den Weg zu praktizieren. Alle Situationen sind gute Gelegenheiten, um geistige Verhärtungen zu lösen. Auch hält unsere Praxis niemals an. Nichts kann sie anhalten.

Viele Leute interessieren sich für Zen. Sie kommen zu Vorträgen, sie möchten Zen werden, sie beginnen mit der Praxis und hören schnell wieder auf. Das passiert, wenn sie mit ihren Ego praktizieren, mit dem Geist, der immer etwas erreichen will und der berechnet. Mit diesem Geist kann man die Praxis nicht lange fortsetzen, denn wenn man von der Praxis etwas anderes erwartet als die Praxis selbst, verliert sie ihre wahre Bedeutung. Es ist wichtig, dass wir praktizieren und das gyoji unterweisen, die beständige und unbegrenzte Praxis, die Praxis der lebenden Buddhas. Das ist der Sinn des Sesshins.