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Gespräche mit sechs Zen-Praktizierenden

6 - Frau, 49 Jahre

Seit wann praktizierst Du Zazen und wie bist Du dazu gekommen?

Ich praktiziere seit mehr als zwanzig Jahren. Damals wusste ich nicht viel über Zen oder Buddhismus und hatte auch kein Bedürfnis zu meditieren. Ich hatte einen Freund, der Kampfsport machte. Als in seinem Dojo zusätzlich Zazen angeboten wurde, machte er auch mit. Eines Tages fragte ich ihn: „Was macht ihr denn da beim Zazen?“ Er antwortete: „Auf einem Kissen sitzen, auf die Wand gucken, schweigen und sich nicht bewegen.“ Für mich war diese Antwort völlig absurd. Wozu soll man sich freiwillig zweimal vierzig Minuten bewegungslos vor die Wand auf ein Kissen setzen? Das passte überhaupt nicht in mein damaliges Weltbild.
Aber mein Freund machte weiter, ohne dass er mir erklären konnte, warum. Das machte mich neugierig. Ich ging zu einer Einführung ins Dojo und dachte: „Aha, das ist also Zazen.“ Viel spannender als das Sitzen fand ich aber die Zen-Geschichten, die Koans, das Paradoxe, das mit dem Verstand nicht zu erklären war. Außerdem war es zu der Zeit schick, Zen zu sein. Daher ging ich weiter ab und zu ins Dojo zum Zazen.
Später wurde mein Leben unruhig. Aufgrund verschiedener Umstände, die zusammenkamen, war ich unzufrieden und gestresst. Da merkte ich auf einmal, dass ich zumindest während Zazen zur Ruhe kam. Wenn ich auf dem Kissen saß, legte sich allmählich die ganze Aufregung des Alltags, und ich konnte irgendwie wieder richtig durchatmen und mich erholen. Nach dieser Erfahrung hat es mich dann gepackt, und ich fing an, wirklich regelmäßig Zazen zu praktizieren.

Wie hat sich Dein Leben durch Zazen verändert?

Zazen ist irgendwie zum Fundament meines Lebens geworden. Ich fühle mich weniger getrennt von allem. Meine Sichtweise auf die Welt, auf mein Leben ist anders geworden. Irgendwann erkannte ich zum Beispiel, dass ich sehr darunter litt, dass sich die Dinge in meinem Leben veränderten. Ich konnte Veränderungen schlecht akzeptieren und versuchte, mein Leben stabil zu halten und meine Besitztümer abzusichern. Es war so, als würde man versuchen, in einem Fluss einen Damm zu bauen, der dem strömenden Wasser gar nicht standhalten kann.
Anstatt also immer gegen etwas zu arbeiten, habe ich versucht zu lernen, mit dem Strom zu schwimmen. Anstatt zu jammern, wenn mir jemand meine Sandburg kaputtmacht oder wenn ich mich ungerecht behandelt fühle, mache ich einfach weiter. Sandburgen können nun mal kaputtgehen, genauso können Beziehungen in die Brüche gehen, die Firma, in der man arbeitet, kann pleitegehen oder man kann krank werden. Nichts ist normaler als Veränderung, dennoch stemmt man sich dagegen. Oft sehe ich Menschen in meiner Umgebung, die leiden, weil sie Veränderungen nicht akzeptieren können. Ich versuche dann, „ihnen Schwimmen beizubringen“, also ihnen zu helfen, Veränderungen anzunehmen und Mut zu haben, ihr Leben neu auszurichten.
Ich glaube auch, dass mein Leben durch Zazen friedlicher geworden ist. Weil ich mich selbst nicht mehr so wichtig nehme, fühle ich mich seltener angegriffen. Daher brauche mich nicht mehr so oft wehren oder rechtfertigen. Man kann es vielleicht mit Gelassenheit bezeichnen. Jedenfalls tut es mir und den Menschen in meiner Umgebung gut. Eigentlich wünsche ich allen Menschen, dass sie die Gelegenheit finden, Zazen zu praktizieren und diese Erfahrung des inneren Friedens selber machen können.

Du hast mit Zazen angefangen, weil Du neugierig warst. Ist Deine Neugier gestillt?

Nein, überhaupt nicht! Zazen praktizieren ist wie reisen. Man macht sich auf den Weg, und der Weg geht immer weiter. Es ist so, als wäre ich kontinuierlich unterwegs. Ich habe einiges gelernt, über mich, über die Welt, über die Zusammenhänge von allem, aber ich glaube, dass es mit der Zazen-Praxis noch unendlich viel zu entdecken gibt.