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Gespräche mit sechs Zen-Praktizierenden

1 - Frau, 36 Jahre

Wie lange machst Du Zazen und was hat Dich zu Zazen geführt?

Ich praktiziere seit etwa zehn Jahren. 2003 war ein Jahr des Umbruchs für mich: Ende des Studiums, Ende der Beziehung. Nach dem Studium ging ich nach Südamerika mit einem heimatlosen, suchenden Gefühl. Erst war ich in Peru und arbeitete in einem Heim. Weil aber dieses heimatlose Gefühl blieb, wollte ich etwas mit Meditation ausprobieren. Irgendwann kam ich auf Zazen und fand eine Gruppe in Bolivien, auf der anderen Seite der Anden. Dort suchte ich mir ein Zimmer und machte mit der Gruppe Zazen, was mich von diesem Gefühl, getriebenen und auf der Flucht zu sein, befreite. Die Gemeinschaft, die Sangha, hat mich sehr schnell integriert.
Am Anfang war die Praxis sehr hart. Die Sesshins dort begannen um 4 Uhr morgens, und irgendwann war ich so fertig, dass ich nur noch heulte.
Nach meiner Rückkehr in Deutschland war ich wieder sehr zerrissen, und es dauerte eine Weile bis ich hier meinen Weg fand. Auf einem Sesshin habe ich dann meinen jetzigen Freund kennengelernt.

Stellt sich bei Dir noch das heimatlose Gefühl ein?

Eigentlich selten. Es ist mehr wie eine Erinnerung, aber das Gefühl ist nicht mehr präsent. Durch Zazen habe ich gemerkt, dass das Gefühl nicht von einem äußerlichen Ort abhängt, und dass man es nicht durch einen Ortswechsel loswird.

Wie war es für Dich als Du schwanger wurdest und ein Kind erwartetest?

Das war nicht nur angenehm. Natürlich freute ich mich, aber ich hatte auch Angst, ob das Kind sich gut entwickelt und ob ich das gut durchstehe. Andererseits war es ganz normal und schön. Man ist zwar nicht mehr so frei, aber da entsteht eine starke Verbundenheit, eine Nähe.
Meine Kleine ist jetzt drei Jahre alt, und ich denke, dass sie auch vom Zen profitiert. Sie fährt gerne mit uns auf Sesshins, auch wenn keine anderen Kinder dabei sind. Da ist immer was los. Wir erneuern uns dabei immer wieder und bemühen uns. Das merkt sie bestimmt auch.

Dein Freund und Du, Ihr macht beide Zazen?

Wir bemühen uns schon, dass beide dazu kommen, Zazen zu machen. Man arbeitet ja nicht nur ständig an sich selbst sondern auch an der Beziehung. Da muss man sich eben mal zurücknehmen und nicht alles so wichtig nehmen. Ich kann mich schon mal in Stresssituationen reinsteigern und finde sie belastend. Dann hilft mir Zazen dabei, wieder auf den Boden zurückzukommen. Das finde ich gut.

Welchen Teil hat Zen heute in Deinem Leben?

Zen ist in vielen Bereichen meines Lebens integriert. Irgendwie hält Zen alles zusammen oder steht über allem drüber. Zen ist die religiöse Ebene in meinem Leben. Seit ich Zazen praktiziere, habe ich mir gar nicht mehr die Frage nach dem Sinn des Lebens gestellt. Früher war das ein ständiges Thema: Was mache ich hier? Warum bin ich hier? Es ist sehr befreiend, dass sich diese Fragen nicht mehr stellen.