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Gespräche mit sechs Zen-Praktizierenden

4 - Mann, 64 Jahre

Wie bist zu Zazen gekommen?

Vor fünfundzwanzig Jahren bewegte mich die große Sinnfrage. Es war die Zeit, in der ich in einem Hospiz arbeitete und täglich mit jungen Menschen zu tun hatte, die starben. Das führte mich zu Fragen über den Sinn des Lebens und des Sterbens. Jeder Mensch stirbt auf eine andere Art. Ich machte mir öfters Gedanken darüber, was für mich wichtig sein würde, wenn ich dran wäre.
Ein Erlebnis dort hatte mich sehr geprägt. Ein junger Patient starb auf eine Art, wie ich es später nie mehr gesehen hatte. Er sah dem Sterben sehr gelassen entgegen. Obwohl er große Schmerzen hatte, war er immer präsent, er war immer hier und jetzt da. Er schien den Augenblick seines Todes zu kennen oder konnte ihn gar steuern. Ich weiß es nicht. Dieser Patient hatte bei seiner Anmeldung angegeben, dass er Buddhist war. Wir konnten darüber nicht viel sprechen, weil ihm das Kommunizieren schwer fiel, aber ich hatte mitbekommen, dass der Buddhismus für ihn eine große Bedeutung hatte. Ich kannte natürlich den Buddhismus und hatte Bücher darüber gelesen. Aber nach diesem Erlebnis wollte ich mich mit ihm auseinandersetzen und von dieser Energie profitieren.
Ich hatte eine Gruppe gesucht und mit Vipassana angefangen. Anfangs war ich erstaunt und fragte mich: „Ist es nur das? Einfach nur sitzen?“ Aber dann habe ich die Wirkung bemerkt. Damals hatte ich noch gearbeitet und nur einige Kurse besucht. Später fing ich an, mir auch zu Hause Zeit für die Meditation zu nehmen. Von Anfang an war mir wichtig, keine Trennung zu machen zwischen der Zeit des Sitzens und der Zeit, in der ich etwas anderes machte.
Irgendwann hat sich die Gruppe aufgelöst, und ich praktizierte lange zu Hause alleine weiter. Aber ich merkte, dass ich die Praxis mit anderen Menschen teilen wollte und machte mich wieder auf die Suche nach einer Gruppe. Nur eins war mir damals klar: Zum Zen gehe ich sicher nicht.

Warum?

In dem Ort, in dem ich wohne, kenne ich einen Zen-Meister, der mit Zen große Geschäfte macht, Zen für Manager oder so. Das war es nicht für mich.
Ich ging eine Liste mit buddhistischen Gruppen durch. Dort stand als letztes ein Zen-Dojo. Ich war erst vorsichtig, habe dann doch eine Einführung und ein Zazen mitgemacht und mich wohlgefühlt. Dort bin ich weiterhin, auch wenn es nicht immer einfach ist.

Welche Rolle hat Zen heute in Deinem Leben?

Zen ist immer präsent. Also, ich sage mir jetzt nicht ständig, ich bin Zen-Praktizierender, aber es ist ein fester Bestandteil meines Lebens. Zen ist in meinem Handeln, in meiner Arbeit, auch wenn es für die Menschen nicht offensichtlich ist. Zum Beispiel, bevor ich einen Patienten empfange, praktiziere ich zehn Minuten Zazen, anstatt in den Akten zu lesen. Ich habe gemerkt, dass ich trotzdem noch weiß, was bei der letzten Behandlung abgelaufen ist.
In meinem Privatleben gilt das Gleiche. Mein Lebenspartner praktiziert nicht, aber er steht Zen wohlwollend gegenüber. Auch wenn es manchmal Reibungen gibt, ist für ihn klar, dass Zen das Zentrum meines Lebens ist.

Bewegt Dich heute noch die Frage nach dem Sinn des Lebens und des Sterbens?

Ich weiß nicht, ob man die Frage beantworten kann, aber für mich ist es keine Frage mehr. Man lebt und man stirbt. Es gibt Zeiten, die schwierig sind, und ein wenig kann man sie beeinflussen.
Am Anfang war ich schon ein bisschen berechnend. Ich hatte gedacht, wenn ich Zazen praktiziere, wird das Sterben leichter sein. Jetzt bin ich mir nicht einmal sicher, ob das so sein wird. Aber es ist mir eigentlich egal geworden. Jetzt lebe ich! Das Leben ist Praxis.