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Funktionsweisen des Geistes
Unterweisung von Meister Roland Yuno Rech, Sesshin in der Grube Louise, Okt. 2008

Freitag, 1. Zazen

Richtet während Zazen immer wieder eure Aufmerksamkeit auf die Körperhaltung. Drückt mit den Knien fest auf den Boden, indem ihr das Becken gut nach vorne neigt. Entspannt den Bauch und lasst das Körpergewicht auf das Zafu ruhen. Neigt das Becken so weit nach vorne, dass der Anus das Zafu nicht berührt. So könnt ihr euch im Sitz gut verwurzelt fühlen. Von der Taille aus streckt gut die Wirbelsäule und den Nacken, so als wolltet ihr den Kopf in den Himmel drücken. Lasst alle Spannungen in den Schultern und im Rücken los. Der Kopf neigt nicht nach vorne, und das Kinn ist zurückgezogen. Die Ohren sind senkrecht zu den Schultern. Der Blick ruht vor euch auf dem Boden. Schließt nicht die Augen.

Die visuellen Objekte um einen herum stören die Konzentration nicht, wenn man ihnen nicht anhaftet. Es ist nicht nötig, sich von der äußeren Wirklichkeit abzusondern, um sich zu konzentrieren. Es reicht aus, sich einfach nicht an die äußeren Wahrnehmungsobjekte zu klammern. Wir nehmen deutlich wahr, was da ist, aber wir halten es nicht fest, sondern bleiben auf die Körperhaltung zentriert. So bleibt der Geist bei der Praxis, die darin besteht, die Wirklichkeit hier und jetzt völlig zu durchdringen.

Ein Sesshin machen bedeutet, mit seinem wahren Geist vertraut zu werden.
Was ist der wahre Geist?
Der Geist funktioniert auf unterschiedliche Weise. Offenbar gibt es viele Geistarten. Normalerweise funktioniert der Geist im unterscheidenden Modus. Man nimmt Unterschiede wahr und schafft Trennungen. Es gibt meinen Körper, meinen Geist, hier bin ich, da sind die anderen. Es gibt gewöhnliche Menschen und es gibt Buddhas oder Götter. Es gibt fühlende Wesen, und es gibt Berge, Flüsse, die Sonne, Sterne. Es gibt das, was gut ist und was ich mag, und es gibt das, was schlecht ist und ich nicht ausstehen kann.
Dieser Geist, der unablässig unterscheidet, lässt uns in der Dualität und in Trennungen leben. Es ist wichtig, diese Funktionsweise des Geistes zu beobachten und nicht an ihr zu haften. Während Zazen sollte man diese Funktionsweise des Geistes nicht unterstützen, sondern sie im Gegenteil fallenlassen und aufgeben, indem man immer wieder zur Körperhaltung und zur Atmung zurückkehrt.

Wer einmal die rechte Haltung eingenommen hat, kann die Aufmerksamkeit seines Geistes auf die Berührung der waagerechten Daumen richten. Wir legen unseren Geist in die Hände. Das heißt, wir hören auf, mit dem Vorderhirn zu denken, und denken mit dem ganzen Körper, indem wir völlig gegenwärtig in unserem Körper sind und nicht nur in unserem Kopf.

Während eines Sesshins kehren wir immer wieder zum Körper und zur Atmung zurück und können so den unterscheidenden Geist aufgeben. Wenn wir diese Funktionsweise des Geistes aufgeben, schaffen wir Raum für eine andere Funktionsweise. Es gibt eine Funktionsweise, bei der der Geist nicht mehr trennt, sondern ganz intuitiv unsere Nicht-Getrenntheit mit allen Wesen wahrnimmt, die Nicht-Getrenntheit zwischen Körper und Geist. Dies ist das hishiryo-Bewusstsein im Zazen, das sich weder an das Denken noch an das Nicht-Denken klammert, sondern mit einem Blick alles umfasst. Mit diesem Bewusstsein können wir die Einheit wiederfinden, eins werden, vollständig, in uns selbst und mit der Welt außerhalb von uns. Es ist die wesentliche Erfahrung des Sesshins.

Aber dies darf nicht zu einer Vorstellung, einer Idee werden; wir müssen es konkret erfahren. Die beste Methode, um dies zu realisieren, ist, immer wieder zum Körper, zu den Gesten und zur Atmung zurückzukehren, nicht nur während Zazen sondern auch während der Zeremonie, beim Spaziergang, während der Mahlzeiten, des Samu und des täglichen Lebens, ohne Trennungen zu schaffen zwischen diesen verschiedenen Tätigkeiten. Das bedeutet, mit dem wahren Geist vertraut zu werden, dem Geist, der alle Tätigkeiten, alle Wesen antreibt. Dazu erwachen heißt, wie Buddha zu werden. Die wahre Buddha-Natur zu verwirklichen ist der Sinn des Sesshins.