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Guckst Du | Texte | Mondo - Fragen an einen Zen-Meister

Warum tragen alle schwarz?

Frage:
Warum tragen wir hier im Dojo alle schwarz? Alles ist so gleichförmig. Welchen Platz hat im Zen die Entwicklung der Individualität und ihrer Besonderheiten?

Roland Yuno Rech:
Die Individualität existiert auch im Zen. Selbst Zen-Meister unterscheiden sich voneinander, denn im Zen wird die Individualität nicht aufgehoben. Jeder Zen-Meister hat seine Persönlichkeit, seinen Unterweisungs-Stil, der den Schwerpunkt auf dieses oder jenes legt. Daher ist es auch eine gute Idee, mit verschiedenen Meistern zu praktizieren, bevor man einen auswählt.

Viele Menschen arbeiten heutzutage an ihrer individuellen Entwicklung. Sie möchten sich selbst entdecken. „Ich möchte ich selbst werden“, sagen sie. Aber was ist dieses ich selbst? Das wahre Ich wird oft mit dem konditionierten Ego verwechselt.

Das eigentliche Ich ist nie gleich, das Ich ist nicht etwas, nichts Begrenztes. Wenn wir verstehen, dass unsere Vorstellung vom Ich nur ein geistiges Konstrukt ist, das uns hemmt und uns gefangen hält, sind wir befreit uns von unserer Unwissenheit, und können die wahre Einheit mit allen Wesen realisieren.

Das Erwachen ist eine Erfahrung, bei der wir über unser Ego hinausgehen, über unsere Vorstellung vom Ich und über das, was uns von den anderen unterscheidet. Dadurch werden die Unterschiede aber nicht abgeschafft.
Jemand, der Zazen praktiziert, versucht nicht, sein individuelles Ego, sein Anderssein hervorzuheben, wie es im gesellschaftlichen Leben oft der Fall ist. Er pflegt seine Unterschiede nicht, weil er es nicht nötig hat, sein Ego zu bestätigen.

Im täglichen Leben heben wir uns gerne hervor: „Ich“, „Also, ich finde…“, „Ich denke, dass …“ „Meiner Meinung nach…“. Im Zen bestehen diese Unterschiede fort, aber man versucht nicht, sie herauszustellen und sich mit ihnen zu identifizieren.
Was wir suchen, ist die universelle Wahrheit, die für alle Wesen gültig ist. Sie geht sogar über die Wahrheit der menschlichen Wesen hinaus. Die Essenz der Unterweisung Buddhas ist eine universelle Wahrheit, die die Menschen betrifft, genauso wie die Tiere, die Bäume, die Berge. Diese Wahrheit müssen wir wieder erkennen und zu ihr erwachen.
Wer sie erfahren hat, wird sie in seinem Leben entsprechend seiner Geschichte, seinem Charakter und seinen Eigenschaften ausdrücken, ganz individuell.

Im Dojo hingegen tragen wir alle möglichst schwarz, weil es eine ruhige Farbe ist. Sie lenkt den Blick nicht ab, während man meditiert. Aus diesem Grund sitzen wir auch vor der Wand. Jemand, der in der Natur meditiert, sollte sich eher vor einen Stamm oder einer Felswand setzen. Säße er vor einem Teich oder vor einer Wiese, gäbe es zu viel Bewegung, zu viel, das seine Aufmerksamkeit ablenken könnte.

Im Zazen richten wir den Blick nach innen auf unseren Körper und unsere Atmung. Zwar bleiben wir in Kontakt mit der Umwelt, das heißt, wir stopfen uns nichts in die Ohren und die Augen bleiben geöffnet, aber wir praktizieren an einem ruhigen Ort, an dem wir nicht zu sehr von Formen oder Farben abgelenkt werden.

Jenseits aller Unterschiede suchen wir das, was wir gemeinsam haben, unsere Einheit mit dem ganzen Universum, unsere Buddha-Natur.

RoSi-1611 09/17

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