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Guckst Du | Texte | Mondo - Fragen an einen Zen-Meister

Schmerzen während Zazen

Frage:
Es heißt immer wieder, während Zazen soll man Gedanken und Emotionen loslassen, und dass sie auch wieder verschwinden. Wie verhält es sich mit Schmerzen, die während Zazen kommen und nicht wieder weggehen?

Roland Yuno Rech:
Schmerz ist eine Empfindung. Die wichtige Frage ist, wie reagiert man auf diese Empfindung? Wenn sich zum Beispiel aus Knieschmerzen Ungeduld oder Wut entwickeln, dann entsteht aus ihnen eine Emotion. Um zu verhindern, dass diese Empfindung eine Emotion erzeugt, reicht es aus, den Schmerz zu akzeptieren und sich zu entspannen. Man darf seine Gedanken nicht auf diesen schmerzenden Punkt fokussieren, sondern sollte eher versuchen, sich zu entspannen.

Schmerz führt oft zu einer Verkrampfung um den schmerzenden Punkt herum, die den Schmerz noch verstärkt. Daher ist es wichtig zu versuchen, seine Aufmerksamkeit nicht nur auf diesen schmerzenden Punkt zu lenken, sondern auf den ganzen Körper. Vor allem ist es gut, sich auf die Ausatmung zu konzentrieren, indem man in den Unterbauch bis unterhalb des Nabels ins Hara ausatmet. Ist die Energie gut im Hara konzentriert, verringert sich der Schmerz, er wird viel weniger intensiv. So wird der Geist friedlicher und ruhiger, wenn er diese Empfindung des Schmerzes durchquert, ohne ungeduldig oder wütend zu werden.

Das Gleiche gilt für alle Empfindungen, für das ganze Leben. Daher ist die Begegnung mit dem körperlichen Schmerz während Zazen auch kein Hindernis. Für einen selbst bietet er eine Gelegenheit, etwas zu lernen; man kann beobachten, wie man auf ihn reagiert. Das Wichtigste in der Unterweisung des Zen-Buddhismus hinsichtlich des Schmerzes ist, den Schmerz nicht in Leiden verwandeln zu lassen. Schmerz ist einfach Schmerz. Wenn man ihm anhaftet, wenn man sich über ihn aufregt, dann führt er zu Leiden.

Das gilt für viele Dinge im Leben. Wer etwas verliert, das ihm lieb war, einen Gegenstand oder ein Wesen, kann diesen Verlust als ein Ereignis betrachten, das er bedauert, das aber dennoch ganz natürlich ist. Denn nichts gehört uns wirklich im Leben, alles verwandelt sich, alles ist unbeständig. Die Tatsache, etwas oder jemanden zu verlieren, ist Teil des Lebens. Es ist das Leben. Also ist es besser, dies zu akzeptieren und kein Drama daraus zu machen. Der Schmerz verschwindet dabei nicht völlig, aber man verhindern, dass aus ihm Leiden entsteht. Daher ist Schmerz während Zazen eine Quelle der Unterweisung.

Andererseits darf man es auch nicht übertreiben. Das Problem ist, zu entscheiden, wann der Schmerz nicht mehr tolerierbar ist. Manchmal hat man Angst, dass der Schmerz immer mehr zunimmt und schließlich unerträglich wird, aber so ist Schmerz nicht. Der Schmerz verstärkt sich bis zu einem gewissen Punkt und danach wird er wieder geringer.
Wenn der Schmerz während Zazen zu stark wird, macht man Gassho und faltet die Beine auseinander. In dieser Haltung bleibt man ein paar Minuten lang ohne sich zu bewegen, dann macht man wieder Gassho und kreuzt die Beine erneut. Mit der Zeit wird man durch die Zazen-Praxis geduldiger, und es gelingt einem immer besser, Phänomene mit der Konzentration auf die Atmung vorbeiziehen zu lassen.

RoSi-1610 11/17

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