Die acht Satori des großen MenschenFreitag, 2. Zazen
Kurz vor seinem Tod gab Meister Dogen seinen Schülern eine Unterweisung. Es war seine letzte Unterweisung. Er sagte zu ihnen: „Das Wichtigste sind die acht Satori des großen Menschen. Wenn ihr dieser Lehre des Buddha folgt, die er selbst in der letzten Nacht seiner Existenz gegeben hat, könnt ihr vollkommen frei und glücklich werden.“ Wartet also nicht bis zum letzten Moment, um sie zu praktizieren. Es ist die höchste Lehre, die es ermöglicht, das Nirvana zu erreichen.
Das erste dieser acht Satori ist das geringe Verlangen, shoyoku auf Japanisch. Das bedeutet, nicht ehrgeizig zu sein, nicht allen möglichen Dingen nachzujagen.
Buddha sagte: „Diejenigen, die ehrgeizig sind und zu viel Ehren und Profit suchen, werden leiden. Aber diejenigen, die im Gegenteil ihre Wünsche einschränken, die nicht allen möglichen Dingen nachjagen müssen, diejenigen, die wenig begehren, werden nicht viel leiden.“
Lasst uns also hier und jetzt dieses Satori praktizieren. Es ist das größte Glück. Wir müssen nicht unbedingt anderen gefallen wollen und leben daher mit einem ruhigen Geist ohne Angst. Wir sind immer zufrieden, auch wenn wir etwas verlieren.
Es ist das Gegenteil der heutigen Zivilisation, die ständig alle möglichen Wünsche weckt, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Besser ist es, das persönliche Wachstum voranzubringen.
Aus diesem Grund ist die Praxis des fuse, des selbstlosen Gebens, die erste große Praxis des Bodhisattva. Geben, ohne Dank zu erwarten, mushotoku. Ein Bodhisattva zu sein bedeutet, nach den Gelübden zu leben, die wir nach dem Zazen rezitieren. Wir geloben, alle Illusionen, alle bonno, alle Anhaftungen zu beseitigen, um anderen besser helfen zu können, indem wir zeigen, dass das Erwachen möglich ist.
Ein Sesshin zu machen bedeutet, sich ganz der Praxis des Weges mit und für andere hinzugeben. Wenn wir unsere Energie der Zazen-Praxis widmen, wird sie stark und trägt uns über unser kleines Ego hinaus. Sie wird wie ein großes Feuer, das alle Unreinheiten verbrennt und alle Schatten erhellt. Oft haben wir Angst zu geben, weil wir befürchten, dass uns das, was wir gegeben haben, später fehlen könnte. Wenig zu begehren bedeutet, diese Angst zu überwinden. Meister Deshimaru nannte übrigens den Tempel La Gendronnière Tempel der Nicht-Angst, muijo, Tempel der mushotoku-Praxis.
Das bedeutet nicht, dass man allem entsagen muss. Wenig zu begehren ist der Mittelweg, es ist keine Askese. Es bedeutet, tief im Inneren zu erkennen, dass uns nichts fehlt. Wie Meister Ryokan sagte: „Man braucht nicht viel, um glücklich zu sein.“ Das ist die Essenz von Zazen, von shikantanza: einfach nur sitzen, das genügt.
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