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Vertrauen in die Drei Schätze

Auszug der Unterweisung von Meisterin Eveline Kogen Pascual
vom Sesshin in der Grube Louise, Januar 2019


Alle Unterweisungen des Sesshins -> Download (PDF)

Freitag, 3. Zazen

Fühlt euch gut in die Haltung ein. Fühlt, wo die Energie frei fließt, und wo nicht. Es reicht nicht aus, die Haltung einmal gut einzunehmen, und das war´s dann. Die Haltung des Körpers im Zazen bedarf ständiger Aufmerksamkeit, damit sie lebendig bleibt. Wir sind keine starren Pfähle, die in den Boden gerammt sind, sondern eher wie junge Bäume, die gut verwurzelt im Boden sind, die den Stamm zum Himmel recken und die Krone nach oben zum Licht. In dieser Haltung ist der Brustkorb offen und weit, der Bauch ist locker und entspannt. Wir können natürlich und tief atmen, ausfüllend, bis in die letzten Lungenbläschen.

In der Konzentration auf die Haltung entspannt sich unser Gehirn, die Alltagssorgen verfliegen. Das Unterbewusstsein kann sich entfalten, und der Geist wird offen und weit. So kann die Energie in uns frei fließen, ungehindert von körperlichen und geistigen Blockaden.

Die Voraussetzung für die Ordination zum Bodhisattva, Mönch oder Nonne ist seit Buddha die Zufluchtnahme zu den Drei Schätzen, Buddha, Dharma und Sangha. Dies geschieht noch vor dem Bereuen des alten, schlechten Karmas und dem Empfangen der zehn Gebote. Diese Zufluchtnahme erklärt man vor dem Meister als Buddhas Stellvertreter und vor der versammelten Sangha. Man gelobt, Buddha zu folgen, um durch seine Leitung das zu verwirklichen, was er selber erfahren und gelebt hatte. Man spricht sein Vertrauen zum Dharma, den Unterweisungen, aus. Man gelobt, mit seinem eigenen Leben ein Beispiel zur Verwirklichung des Weges zu geben und seine Praxis vertrauensvoll mit anderen zu teilen.

Der Begriff Zuflucht – Trisharana in Sanskrit – ist eine etwas unglückliche Übersetzung. Jemand, der Zuflucht nimmt, flüchtet vor jemanden oder etwas, vor einer Gefahr oder einem Problem, weil er fürchtet, selbst damit nicht zurecht zu kommen. Die Zufluchtnahme zu den Drei Schätzen ist aber weder eine Flucht noch etwas, das man tut, weil es so verlangt wird, sondern es ist die bewusste Entscheidung, sein Leben von Grund auf zu ändern auf dem Weg der Befreiung, und dazu nimmt man die Hilfe der Drei Schätze an. Auf dem Buddha-Weg fliehen wir vor nichts. Ganz im Gegenteil, wir lernen, uns den Problemen und Ängsten zu stellen, die uns quälen, die uns leiden machen. Wir laufen vor nichts davon. Wohin auch?

In der Tiefe des Zazen schauen wir uns an. Wir sehen klar, was wir sind und wie wir sind. Nicht, wie wir´s gerne hätten, sondern so, wie wir nun mal sind, mit all den Unzulänglichkeiten und den ganzen Irrtümern, die wir gemacht haben, weil wir den drei Giften Gier, Hass und Unwissenheit nachgegeben haben. Nach und nach lernen wir in der beständigen, aufrichtigen Praxis, diese Irrtümer und Anhaftungen loszulassen und in Gutes umzuwandeln: in Weisheit, in Mitgefühl zu den anderen Wesen auf dieser Welt und in Frieden und Gelassenheit.

Ich denke, es ist besser zu sagen, dass man sein Vertrauen in die Drei Schätze ausdrückt. Vertrauen ist kein blinder Glaube, sondern ein Zutrauen zur eigenen Praxiserfahrung. Vertrauen ist nicht das, was im Dschungelbuch die Schlange Kaa dem Mogli suggeriert, um ihn leichter verschlingen zu können. Das ist Täuschung. Es ist auch nicht das Vertrauen eines Eichhörnchens, das sich auf meine Füße setzt, weil es weiß, dass es eine Nuss von mir bekommt. Es mag Nüsse, es weiß auch, dass ich keine Gefahr bin, aber ich selbst bin ihm total gleichgültig.

Das Vertrauen in die Drei Schätze basiert auf unsere Zazen-Erfahrung und auf unsere Erfahrung im Umgang mit unseren Weggefährten. Wir lernen, sie zu schätzen, ja zu lieben, weil wir nach und nach erkennen, dass sie unser Leben auf unendliche Weise bereichern. Dabei geben wir nicht die Verantwortung an andere ab. Dadurch, dass wir mit uns selbst vertraut werden und so erkennen, dass wir nicht verschieden oder getrennt von den anderen sind, wird es ganz natürlich, dass wir unsere Praxis und unsere Erfahrung mit allen teilen.