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Die wahre Wirklichkeit

Auszug der Unterweisung von Meister Roland Yuno Rech
vom Frühlingslager in der Grube Louise, Mai 2018.


Alle Unterweisungen der Vorbereitungszeit -> Download (PDF)

Mittwoch, 1. Zazen

Während Zazen machen wir nichts Besonderes. Wir begnügen uns damit, einfach nur zu sitzen, ruhig durch die Nase zu atmen und alle Gedanken vorbeiziehen zu lassen. Wir versuchen nicht, eine Leere in unserem Geist zu erzeugen. Wir begnügen uns damit, das zu praktizieren, was Meister Wanshi „die wahre Wirklichkeit“ nannte.

Die wahre Wirklichkeit hier und jetzt ist, einfach zu sitzen, den Blick nach innen gerichtet, ohne einem Gedanken anzuhaften. „Wenn ihr das verwirklicht“, sagte Wanshi, „werdet ihr nicht mehr von äußeren Bedingungen getrieben werden.“ Das heißt, getrieben von den Winden, die den Geist aufregen, wie zum Beispiel der Suche nach Ehre, Rang oder Profit, nach Zuspruch von anderen. All das hält nur einen Zyklus des Leidens im Gang. Und wenn man diesen Geist in die Zazen-Praxis einbringt, indem man einen besonderen Zustand sucht und somit Schmerzen oder Gedanken, die auftauchen, hasst, weil man sie als Hindernis zu einem guten Zazen betrachtet, dann pflegt man nur den Geist des Auswählens und Abweisens. Es ist besser, das zu empfangen, was erscheint, so wie es ist. Egal ob Gefühle oder Gedanken, wir sehen sie so, wie sie sind, wie Blasen, die auf der Oberfläche des Wassers erscheinen.

Die wahre Wirklichkeit praktizieren bedeutet, nicht einer Vorstellung von einer besonderen Wirklichkeit anzuhaften, die jenseits der Phänomene existiert. Wir begnügen uns damit, die Phänomene so zu sehen, wie sie sind, einfach Phänomene, nichts Besonderes. „Dann ist dieser leere Geist weit offen und beleuchtet auf subtile und richtige Weise“, sagt Wanshi.

Wenn man diese Unterweisung empfängt, könnte man denken, man müsse wirklich einen leeren Geist haben. Aber leer wovon? Dieser leere Geist ist weit offen. Er ist leer von allen geistigen Kategorien, und genau aus diesem Grund kann er klar leuchten. Es ist vergleichbar mit Glühbirnen, die leuchten, weil man in ihrem Innern ein Vakuum erzeugt hat. Wenn Luft in die Glühbirne eindringt, leuchtet sie nicht mehr. Das Gleiche passiert, wenn wir die Winde unserer Wünsche und Abneigungen in unseren Geist eindringen lassen.

Wir dürfen dieser Leere aber auch nicht anhaften, denn alles, was unseren Geist durchquert, ist in Wirklichkeit ohne Substanz. Wir brauchen keine Leere erzeugen. Wir müssen sie einfach als die wahre Natur aller Dinge erkennen.

Den Phänomenen, die im Zazen erscheinen, anzuhaften, ist eine Illusion. Aber der Leere oder irgendeinem Prinzip anzuhaften, ist nicht das wahre Erwachen. Man ersetzt nur eine Illusion durch eine andere und glaubt, die Wahrheit erfasst zu haben. Dabei schließen wir nur die Wirklichkeit in unsere Kategorien ein.

Während Zazen ist es besser, jede bewusste Absicht aufzugeben. Auch dürfen wir dem Loslassen nicht anhaften. Dies ist die Bedeutung von gyate, gyate am Ende des Hannya Shingyo. Immer wieder darüber hinausgehen und noch weiter darüber hinaus, über jeden Stillstand und jede Anhaftung hinaus. Dann lässt der weite Geist die Verwirrung zurück und geht wirklich über unsere gewöhnlichen Verhaltensweisen hinaus. Dann verwirklichen wir das Selbst, das nicht von Illusionen oder Emotionen beherrscht wird. Das soll nicht heißen, ohne Emotionen zu sein, sondern, von ihnen nicht beherrscht zu werden.
Anders gesagt, behaltet immer einen freien Geist.