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Mit sich selbst vertraut werden

Auszug der Unterweisung von Meister Roland Yuno Rech
vom Frühlingslager Grube Louise, Mai 2017.


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Sonntag, 2. Zazen

Während eines Lagers wie diesem, auf dem wir viel Zazen praktizieren, können wir wirklich mit uns selbst vertraut werden. Uns selbst kennenlernen ist der Sinn unserer Praxis. Sich selbst kennenlernen ist die Quelle jeder Weisheit, vorausgesetzt, dass man sich wirklich fragt, was dieses Selbst ist. Sind es die Gedanken? Die Empfindungen? Die Wünsche? Das Bewusstsein? Sie alle sind Teile vom Selbst, aber man selbst ist nicht sie. Wir sind nicht auf den Inhalt unserer Gedanken beschränkt. Wir sind nicht auf unsere Empfindungen, unsere Wahrnehmungen oder Wünsche beschränkt. So wie es im Hokyo Zanmai heißt: „Das ist ich, aber ich bin nicht das“.

Wahrhaft mit sich selbst vertraut werden heißt, den weiten Geist zu verwirklichen, den Körper in Einheit mit dem Universum und den Geist ohne Trennungen. Man selbst ist nicht etwas, nichts Fassbares. Aus diesem Grund sagte Dogen: „Sich selbst kennenlernen heißt, sich selbst zu vergessen“. Sich selbst vergessen heißt, sein kleines, beschränktes Ego zu vergessen und die Einheit mit allen Wesen zu verwirklichen. In dieser Verwirklichung geht es nicht mehr um Mangel oder Überfluss, daher ist der Geist in Frieden. Alles ist da. Man braucht nicht mehr irgendetwas hinterherzulaufen. Es ist so, als käme man nach Hause zurück und setzte sich in Ruhe nieder.

Am Ende eines Gedichts von Meister Dogen heißt es: „Fragt mich nicht, wohin ich gehe, denn ich bin auf dem Weg, auf dem überall mein Zuhause ist“.
Hier und jetzt können wir dies verwirklichen. Wir können aufhören, in der Welt herumzuirren und uns wirklich überall, wo wir den Weg praktizieren, zuhause fühlen. Diese Erfahrung ist eine Quelle tiefer Freude, die mit anderen geteilt werden will. Daher praktizieren wir gemeinsam. Unser Zuhause wird immer größer, so wie das Haus von Vimalakirti. Die ganze Welt wird unser Zuhause.

Gestern habe ich von der Unbeständigkeit gesprochen, die eine Quelle des Geistes des Erwachens sein kann. Im Zazen jedoch können wir die ewige Gegenwart verwirklichen, das, was jenseits von vorher und nachher ist. Die Zeit, die vergeht, ist eine Aufeinanderfolge von Augenblicken. Wenn wir den Zen-Weg praktizieren, müssen wir dafür Sorge tragen, dass jeder Augenblick vollkommen ist, indem wir uns auf jede Handlung völlig konzentrieren und den Weg in jeder Praxis aktualisieren. Das ist der Sinn des Sesshin. Das Hier durchdringen und wahrhaft jetzt sein.