Guckst Du | Texte | Kusen - Mündliche Unterweisungen im Dojo
Wenn wir uns im Dojo auf das Zafu setzen, drücken wir die Knie fest auf den Boden, neigen das Becken nach vorne und richten den Oberkörper auf. Wir drücken mit dem Scheitel gegen den Himmel und mit den Knien gegen die Erde. Wir atmen ruhig durch die Nase ein und aus und lassen alle Gedanken vorbeiziehen.
Wir praktizieren Zazen, aber in Wirklichkeit praktizieren wir kein Zazen. Das wahre Zazen beginnt, wenn man aufhört, irgendetwas zu tun. Sobald man in der Haltung ist, begnügt man sich damit, einfach nur zu sitzen.
Im Alltag sind wir die meiste Zeit damit beschäftigt, etwas zu tun. Und an Tagen, an denen wir nichts zu tun haben, zum Beispiel an Feiertagen, fragen wir uns: „Was soll ich heute tun?“ Oder wir rufen Freunde an und fragen: „Was macht ihr heute?“
Im Alltag befinden wir uns ständig in dieser Welt des Tuns, also des Handelns, des Karmas, das heißt, wir haben ein Ziel vor Augen. Wir verfolgen das Objekt unserer Begierde, oder aber weichen dem aus, was uns Unbehagen bereitet. Es ist die natürliche Funktion des Egos, dies zu tun, dafür ist es geschaffen. Doch tut es auch gut, sich die Möglichkeit geben, einfach nur zu sein.
Manche denken sich: „Wenn ich nichts zu tun habe, werde ich mich langweilen, und Langeweile ist unangenehm.“ Doch eigentlich braucht man keine Angst vor Langeweile zu haben, denn wenn man wirklich nichts mehr tut und sich damit begnügen kann, einfach nur dazusitzen, ohne dieser Erfahrung des bloßen Daseins etwas hinzuzufügen oder wegzulassen, stellt man fest, dass es keine Langeweile gibt. Man ist jenseits der Langeweile. Es geht nicht darum, etwas Außergewöhnliches zu betrachten, sondern darum, diesen ständigen Druck loszulassen, etwas herstellen oder tun zu müssen, als hätte man kein Recht, auf dieser Erde zu existieren, ohne etwas zu tun.
Tun Rosen irgendetwas? Sie begnügen sich damit, einfach zu sein.
Der Weg des Buddha, dem wir folgen, ist der Weg, der es uns ermöglicht, diese Einfachheit des Seins wiederzufinden, einfach da zu sein, ohne Ziel, ohne Bedauern, ohne Erwartungen, ganz und gar präsent, friedlich, befreit von jeglicher Anspannung.
Das bedeutet natürlich nicht, dass wir ständig in diesem Zustand sind. Nach dem Dojo kehren wir in den Alltag zurück und werden alle möglichen Dinge tun. Aber zumindest haben wir einen Seinszustand erlebt, der jenseits des Tuns liegt, ohne Ziel, in völliger Einheit mit dem gesamten Universum, nachdem wir jede Trennung, alles, was ein Hindernis darstellt, aufgegeben haben.
Wer dies einmal erlebt hat, hat immer die Möglichkeit, zu dieser einfachen Haltung zurückzukehren. Sie ist nicht auf das Sitzen beschränkt; man kann sich zu jedem Augenblick des Tages damit begnügen, einfach nur im Bus zu fahren, einfach nur zu gehen, einfach nur zu essen, – nicht um dieses oder jenes zu tun, sondern einfach nur zu essen, einfach nur zu arbeiten, befreit von allen Hintergedanken.
Manchmal fragen wir uns: Was können wir für andere tun? Wieder einmal ging es um das Tun, darum, dass man etwas tun muss. Vielleicht könnten wir einfach zeigen, dass es möglich ist, zu sein, ohne etwas zu tun, und dass dies viel Spannung lösen würde, sowohl innerlich als auch zwischen den Menschen: kein Wettbewerb mehr, keine Angst mehr, keine Gier mehr, kein Bedürfnis mehr, etwas anzuhäufen.
Und selbst wenn wir etwas tun, kommt diese Handlung, wenn sie frei von egoistischen Motiven ist, allen zugute. Wirklich nützlich ist das, was uns aus der Enge der Ich-Bezogenheit befreit, die eine große Illusion ist. Es geht einem nicht gut, wenn man in seinem Ego gefangen ist. Folgt daher der Lehre des Zen: Setzt euch hin und tut nichts mehr. Entdeckt, dass es möglich ist, einfach nur da zu sein, ohne Ziel.
Wie Rosen.
RoSi 05/2026
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