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Guckst Du | Texte | Kusen - Mündliche Unterweisungen im Dojo

Das ganze Universum ist ein Sutra

Lasst euch während Zazen nicht von euren Gedanken ablenken. Konzentriert euch immer wieder auf die Körperhaltung und die Atmung. Wenn wir abgelenkt und zerstreut sind, haben wir die Welt hier und jetzt verlassen. Wir verlieren uns in Abstraktionen und sind in einer virtuellen Welt. Wir schwelgen in Erinnerungen und hängen der Vergangenheit nach, oder wir gestalten mit unseren Gedanken eine mögliche Zukunft. Jedenfalls sind wir dann nicht mehr im Dojo, nicht mehr am Ort des Weges, sondern in der Welt des Egos und in unseren Hirngespinsten.

Richtet also eure ganze Energie auf die Haltung. Drückt mit den Knien fest auf den Boden. Neigt das Becken leicht nach vorn, streckt euren Oberkörper zwischen Himmel und Erde aus, zieht das Kinn leicht zurück und senkt die Schultern. Entspannt gut den Bauch und atmet ruhig durch die Nase ein und aus. Atmet ganz bis zum Ende aus, aber versucht nicht, eure Atmung zu verändern. Seid mit eurer Atmung einfach hier und jetzt.

Ein Schüler fragte Prajnatara, den Meister von Bodhidharma: „Warum studierst du keine Sutras?“ Prajnatara antwortete: „Wenn ich einatme, verweile ich nicht im Bereich des Körpers und des Geistes. Wenn ich ausatme, bin ich nicht in allen Situationen einbezogen.“
„Nicht im Bereich des Körpers und des Geistes verweilen“ bedeutet, nicht in sich selbst eingeschlossen zu bleiben.

Es heißt, im Zazen wird man vertraut mit sich selbst. Man selbst ist aber nicht begrenzt auf den Bereich des Körpers und des Geistes, das heißt auf den Bereich der Wahrnehmungen, der Sinnesempfindungen oder Gedanken. In dem Augenblick, wo sie hervorkommen, sind wir uns ihrer ganz kurz bewusst, dann lassen wir sie ziehen und kehren wieder zur Atmung zurück, zum gegenwärtigen Augenblick. Auf diese Weise bleiben wir nicht in unserer kleinen, inneren Welt eingeschlossen und öffnen uns zur Welt, so wie sie ist, ohne eine Trennung zwischen innen und außen zu schaffen.

„Wenn ich ausatme, bin ich nicht in allen Situationen einbezogen“. Das bedeutet zu handeln, ohne dem Ergebnis der Handlung anzuhaften. Es bedeutet, sich nicht von all den Phänomenen stören zu lassen, die man manchmal „Winde, die den Geist bewegen“ nennt: Geschichten, Meinungen anderer, Lobreden, denen man anhaftet, Kritik, die einen stört, die Angst vor Verlust, das Streben nach Gewinn usw.
Wenn man dem Bereich des Körpers und des Geistes nicht anhaftet und sich nicht in alle Situationen einbeziehen lässt, wenn der Geist seinen natürlichen Frieden wiederfindet, wird er wie die Wasseroberfläche des Ozeans, nachdem der Wind sich gelegt hat. Alles wird klar reflektiert.

Alle Phänomene, die sich reflektieren, werden zu Sutras. Das ganze Universum ist ein Sutra, das man mit einem klaren Auge lesen kann. Es ist nicht nötig, Worten oder Begriffen, die der Geist erzeugt, anzuhaften. Natürlich sind Worte nützlich, um zu kommunizieren, um auf etwas hinzuweisen oder etwas annähernd zu beschreiben. Aber sie sind nur Hilfsmittel, die man nach Gebrauch wieder loslassen sollte.

Direkt sehen, was ist, so wie es ist, ohne Kommentare hinzuzufügen, ohne es in Worte einzuschließen. So kann die wahre Vertrautheit entstehen, die über uns selbst und die anderen hinausgeht. Sie geht über alle Worte hinaus. Es ist die Vertrautheit mit dem Dharma, die alle Trennungen auflöst.
Dies ist die Unterweisung des großen Sutras der Natur, die wir immer und überall erkennen können.

RoSi-0908 06/2018

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