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Guckst Du | Texte | Kusen - Mündliche Unterweisungen im Dojo

Die Freiheit des Geistes

Verliert während Zazen nicht eure kostbare Zeit damit, euren Gedanken zu folgen. Meister Dogen sagt: „Gebt während Zazen alle Sorgen und Beschäftigungen auf.“ Dazu ist es am besten, völlig auf die Körperhaltung konzentriert zu sein. Das Becken ist gut nach vorne geneigt, die Knie sind im Boden verwurzelt, von der Taille aus streckt man die Wirbelsäule und den Nacken, so als möchte man den Kopf in den Himmel drücken. Lockert gut die Schultern und entspannt den Bauch. Atmet tief durch die Nase ein und aus und lasst alle Gedanken vorbeiziehen.

Während Zazen versucht man nicht, seine Gedanken oder Gefühle zu verdrängen, auch nicht die Sorgen oder die Beschäftigungen des Alltags. Man begnügt sich damit, vollständig zu sitzen, ohne etwas Besonderes zu suchen. Jedes Mal wenn man seinen Geist zurück zum Körper bringt, geschieht dieses Loslassen ganz natürlich und automatisch. Die Sorgen verschwinden und der Geist findet den Frieden wieder. Man realisiert tief, dass die Gedanken ohne Substanz sind. Sie erscheinen und verschwinden von einem Augenblick zum anderen, genau wie alle anderen Phänomene.

Vorstellungen, Gefühle, Wahrnehmungen, alles erscheint und verschwindet von einem Augenblick zum anderen. Man greift die auftauchenden Phänomene nicht auf, man hält sie nicht fest, versucht aber auch nicht, sie zu unterdrücken. Weder ergreifen noch zurückweisen ist die grundlegende Haltung des Geistes im Zazen, die wahre Freiheit des Geistes. Die Verwirklichung dieses Friedens, dieser Freiheit des Geistes ist das Ideal der Zen-Praktizierenden, das Nirvana, das keine Welt nach dem Tod ist.

Die Menschen machen sich viele Gedanken darüber, was wohl nach dem Tod geschehen wird. Dabei stellen sie sich alles Mögliche vor. Während Zazen beschäftigen wir uns aber nicht damit. Wir begnügen uns einfach damit, jeden Augenblick vollständig zu leben, Körper und Geist in Einheit mit dem Leben.

In Einheit mit dem Leben heißt, in Einheit mit der Unbeständigkeit. Das Leben besteht aus der Bewegung der wechselseitigen Abhängigkeit. Der Geist jedoch klammert sich gerne an etwas Festem, was eine sehr schlechte Gewohnheit ist. Der Geist, der an etwas Festem haftet, ist erstarrt, so wie Wasser, das zu Eis gefriert. Auf diese Weise beschrieb Meister Kodo Sawaki die Welt des Egos. Er nannte sie „die Welt bei null Grad“, in der alles gefroren ist. Die Zazen-Praxis aber bringt das Eis unseres Egos zum Schmelzen und gibt dem Geist seine natürliche Freiheit wieder.

„Der Geist, der auf nichts verweilt, ist der wahre Geist“, lehrt uns das Diamant-Sutra. Aber erst durch Zazen wird es verwirklicht. Wenn wir in Zazen konzentriert sind, können wir diesen Geist der Freiheit wiederfinden. Dies ermöglicht es uns, in unserem Leben kreativ zu werden, uns von unseren vergangenen Konditionierungen zu befreien und aufzuhören, immer dieselben Szenarien zu wiederholen. Zazen praktizieren heißt, von Augenblick zu Augenblick einen neuen Geist finden, einen Geist, der wirklich lebendig ist.

Wenn ihr einatmet, seid völlig ein Körper und Geist, der einatmet. Wenn ihr ausatmet, seid völlig ein Körper und Geist, der ausatmet. Das ist die beste Art und Weise, nicht in seinen Gedanken zu stagnieren und in jedem Augenblick einen frischen und neuen Geist wiederzufinden, der fähig ist, sich mit dem Leben zu harmonisieren, in dem sich alles unablässig verändert.

RoSi-1610 10/2017

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