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Guckst Du | Texte | Kusen - Mündliche Unterweisungen im Dojo

Den Alltag an den Haken hängen

Wenn ihr über die Schwelle des Dojos tretet, lasst alles hinter euch: den vergangenen Tag, die Arbeit, die Pläne für morgen, Gedanken an die Familie, die Müdigkeit, die Aufregung. Ihr habt den Alltag mit eurer Kleidung an den Haken gehängt und widmet euch nun ganz dem Hier und jetzt.

Sobald ihr mit dem linken Fuß über die Schwelle tretet, richtet ihr eure Aufmerksamkeit völlig auf das Dojo. Ihr nehmt das Licht war, den Geruch, die frischen Blumen auf dem Altar, dann macht ihr Gassho.
Welche Blumen stehen auf dem Altar?

Schön wäre es, wenn man seine Grübeleien, seine Eindrücke, seine Sorgen und Emotionen an den Kleiderhaken hängen könnte. Wenn man auf Anhieb bei der Sache sein könnte, hier im Dojo, jetzt beim Zazen.
Aber oft ist man noch vom Alltag eingenommen, wenn man sich auf das Zafu setzt. Man merkt es manchmal erst nach eine Weile, wenn man feststellt, dass man nicht gut sitzt, nicht mittig auf dem Kissen. Die Beine sind nicht richtig positioniert, der Po rutscht auf einer Seite etwas herunter und der Rücken versucht, die leichte Schrägstellung auszugleichen. Der Körper fängt daher an zu schmerzen, aber man darf sich ja nicht mehr bewegen. Dann ist nach dem langen Tag auch noch Zazen anstrengend, und erst in der zweiten Runde gelingt es einem, sich zu entspannen.

Schön wäre es, wenn man seine Grübeleien, seine Eindrücke, seine Sorgen und Emotionen an den Kleiderhaken hängen könnte. Wenn man den vergangenen Tag hinter sich lassen könnte, sobald man das Dojo betritt, wie einen Atemzug nach der kompletten Ausatmung.

Kann man.
Indem ihr euch bemüht, euch auf jeden Augenblick zu konzentrieren, genauso wie ihr euch im Zazen auf eure Atmung konzentriert. Indem ihr euch rechtzeitig in Ruhe auf den Weg ins Dojo macht, anstatt in letzter Minute loszurennen. Indem ihr bewusst darauf achtet, wie ihr bei eurer Ankunft die Schuhe auszieht und in das Schuhregal stellt. Auch das gehört zum Paramita der Bemühung, der Energie: sich nicht von der Gewohnheit einnehmen zu lassen - ach ja, dienstags gehe ich immer zum Zazen - und dann anderthalb Stunden vor sich hinzudösen. Richtet euren Geist immer wieder auf den gegenwärtigen Moment, so oft wie möglich im Alltag und besonders im Dojo.

Auf einem Sesshin gelingt es leichter, weil man von einer allgemeinen Energie getragen wird, die durch das gemeinsame Praktizieren entsteht. Aber das Sesshin soll ja gerade ein Ansporn sein, diese Erfahrung der Gegenwärtigkeit im täglichen Leben konkret umzusetzen. Dafür müssen wir uns immer wieder daran erinnern und es auch wirklich tun:
Eine Tätigkeit konzentriert ausführen, bis sie beendet ist, genauso wie beim Samu. Den gegenwärtigen Augenblick vollständig wahrnehmen und ihn dann ziehen lassen, damit man offen für den nächsten Augenblick ist. Wenn man die Haustür hinter sich zugeschlagen hat, das ganze Haus inklusive der Bewohner hinter sich lassen und seine Aufmerksamkeit auf die Umgebung, die Straße, den Verkehr richten. Und wenn man ins Dojo kommt, die Straße, die Gedanken, den vergangenen Tag hinter sich lassen und sich der gemeinsamen Zazen-Praxis zuwenden.

Je öfter ihr das übt, je öfter ihr euch bemüht, eure Aufmerksamkeit bewusst zu lenken, desto einfacher wird es euch fallen, den Alltag mit allem Drum und Dran an den Haken zu hängen, wenn ihr über die Schwelle des Dojos tretet.

Strengt euch weiter an. Richtet euch auf, entspannt den Bauch, die Schultern und das Gesicht, und lasst euch nicht von euren Gedanken einnehmen. Mach hier und jetzt vollständig Zazen.

Si 06/2012