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Guckst Du | Texte | Kusen - Mündliche Unterweisungen im Dojo

Die Rolle des Meisters

Wenn ihr euch auf das Zafu setzt, achtet darauf, dass ihr die Haltung mit Sorgfalt einnehmt. Verfallt nicht in die Gewohnheit, einfach automatisch die Beine zu kreuzen, Gassho zu machen und die Hände aufeinanderzulegen.
Geht im Zazen von Anfang an durch die wichtigen Punkte der Körperhaltung. Achtet darauf, dass das Zafu mittig unter dem Po liegt und dass das Körpergewicht auf Zafu und Knie verteilt ist. Legt die Handaußenflächen auf die Knie und pendelt mit dem Oberkörper von links nach rechts und von rechts nach links in kleiner werdenden Bewegungen, bis ihr eure Mitte gefunden habt. Neigt das Becken nach vorne, richtet euch auf, drückt den Kopf nach oben und senkt den Blick. Atmet ein-, zweimal tief ein und aus, macht Gassho und legt die rechte Hand in die linke Hand. Die Zeigefinger bilden mit dem Daumen ein weites Oval. Die Daumen sind waagerecht und berühren sich sanft.

Haltet auch eure Aufmerksamkeit und eure Energie nicht zurück. Beobachtet immer wieder euren Körper. Ist der Rücken noch aufrecht, sind die Schultern locker, ist der Bauch, ist das Gesicht entspannt? Dann konzentriert euch auf eure Atmung und atmet immer bis zum Ende aus.

Verliert nicht eure Zeit, indem ihr euren Gedanken folgt. Nehmt sie wahr, betrachtet sie einen Augenblick lang, lasst sie dann vorüberziehen und kehrt zur Konzentration auf die Haltung und die Ausatmung zurück. Verweilt mit euren Geist nicht in irgendeinem diffusen Zustand.

Der Brahmane Ganaka fragte Buddha Shakyamuni: „Verwirklichen alle eure Schüler die letztendliche Befreiung, oder gibt es welche, die sie nicht erreichen?"
Der Buddha antwortete: „Einige der Schüler, die meine Unterweisung erhalten haben, verwirklichen die Befreiung, und andere, die meine Unterweisung erhalten haben, verwirklichen sie nicht."
Der Brahmane fragte: „Warum ist das so?"
Der Buddha entgegnete: „Seid ihr in der Lage, den Weg zur Stadt Ragdir zu zeigen?"
„Ja, aber sicher."
„Nun, wenn jemand nach dem Weg nach Ragdir fragt, und sie erklären ihm den Weg: erst geradeaus, dann dem Fluss bis zum Dorf folgen und hinter dem Dorf links abbiegen, dann kommen sie direkt nach Ragdir, und diese Person folgt ihren Erklärungen nicht und geht nach rechts statt nach links, glauben sie, dass sie ihr Ziel, Ragdir erreicht?"
„Nein, natürlich nicht."
„Ist das dann ihr Fehler?"
Der Brahmane antwortete: „Gewiss nicht. Die Wegbeschreibung war ja richtig."
Buddha sagte: „Genauso ist es mit meinen Schülern. Wenn einige nicht richtig zuhören oder meiner Unterweisung nicht folgen, verwirklichen sie nicht die Befreiung."

Bei der Unterweisung des Weges ist die Rolle des Meisters sehr wichtig. Aber diese Rolle hat Grenzen. Sie beschränkt sich darauf, den Weg zu zeigen: zeigen, wie man praktiziert, vor Fallen auf dem Weg warnen, auf Irrtümer hinweisen und versuchen, aus Sackgassen herauszuführen. Aber letztendlich liegt es an jedem einzelnen, den Weg selber zu gehen, selber Zazen zu praktizieren und die Unterweisungen umzusetzen. Niemand kann jemand anderem das Erwachen geben, von niemand kann man ein Zaubermittel erwerben, das zum Erwachen führt. Niemand kann es an Stelle eines anderen realisieren. Der Meister ist wie ein Hirte, der die Kühe zum Wasser führt. Aber trinken müssen die Kühe schon selber.

RoSi 0002-02/2015