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Guckst Du | Texte | Kusen - Mündliche Unterweisungen im Dojo

Unbeständigkeit

Wenn man vor der Wand sitzt und sich auf die Körperhaltung und die Atmung konzentriert, wenn die Aufmerksamkeit nach innen gerichtet ist, sieht man deutlich, wie die Phänomene im Geist auftauchen: Empfindungen, Wahrnehmungen, Gedanken, Bilder, Gefühle, Wünsche. Hält man diese Phänomene fest und folgt man ihnen, funktioniert der Geist auf übliche Weise, so als würde man im Sessel sitzen.
Zazen praktizieren heißt aber, die Geisteshaltung radikal zu ändern und sich der Unbeständigkeit bewusst zu werden, indem man einfach nur beobachtet, wie Gedanken auftauchen und wieder verschwinden, wenn man sie nicht aufgreift.

Manchmal kann die Zeit von Zazen einem lang erscheinen. Wird aber zum Ende das Holz geschlagen, stellt man fest, dass sie schnell vorbeigegangen ist. Das Gleiche gilt für ein Menschenleben. Ist man jung, glaubt man, alle Zeit der Welt zu haben. Erreicht man ein gewisses Alter, bemerkt man, dass die Zeit begrenzt ist. Den Weg praktizieren heißt, sich der Vergänglichkeit bewusst zu werden, nicht mehr zu warten, nicht mehr auf später zu verschieben, sondern sich hier und jetzt auf das Wesentliche konzentrieren in diesem kostbarem Leben.

Warum ist das Leben kostbar? Weil es uns die Gelegenheit bietet, zur Wirklichkeit unseres Lebens zu erwachen, das heißt, aus unseren Illusionen zu erwachen. Aufhören, unsere Illusionen als normal, als gegeben hinzunehmen. Auch unsere Illusionen unterliegen dem Gesetz der Unbeständigkeit. Sie sind, leer und ohne Substanz, daher können wir sie loslassen und uns von ihnen befreien.
Wir leiden, wenn wir nicht bekommen, was wir wollen, wenn wir etwas Liebgewonnenes verlieren, wenn uns etwas Unangenehmes ereignet. Die Unbeständigkeit lehrt uns, dass alles in Bewegung ist, dass alle Dinge leer sind und dass unser Ego, das ständig hinter etwas herläuft oder vor etwas wegrennt, nicht mehr Substanz als eine Seifenblase hat.

Meister Dogen sagte: „Die Unbeständigkeit ist die Buddha-Natur: mujo bussho.“ Anders gesagt, um die Buddha-Natur zu verwirklichen, muss man einfach die Unbeständigkeit sehen, sie völlig akzeptieren und sich mit ihr harmonisieren.
Die Wirklichkeit ist nicht verborgen, wir haben nur verlernt, sie zu sehen, so wie sie ist. Ein alter chinesische Tenzo, ein Koch, sagte zu Dogen: „Im ganzen Universum gibt es nichts Verborgenes.“ Zen hat nichts Esoterisches an sich. Wir lernen zu sehen, was ist, so wie es ist, und diese Sichtweise ist die Quelle der Befreiung.

Wenn wir die Unbeständigkeit deutlich wahrnehmen und sie akzeptieren, erfahren wir sofort eine Befreiung. Spannungen lösen sich, wir hören auf zu suchen und müssen nicht mehr irgendeinem Wunschobjekt nachrennen oder vor etwas weglaufen. Alles ist Buddha-Natur.
Aus diesem Grund wird immer geraten, Zazen ohne Ziel zu praktizieren, ohne etwas Besonderes erreichen zu wollen. Lasst jede Absicht los, seid einfach eins mit der Wirklichkeit eines jeden Augenblicks, einfach eins sein mit der Einatmung, wenn ihr einatmet, eins mit der Ausatmung, wenn ihr ausatmet. Nichts anderes tun, an nichts anderes denken, Körper und Geist in Einheit.

Nur dieser Augenblick existiert wirklich, nur diese Einatmung, nur diese Ausatmung. Die Vergangenheit ist vorbei, die Zukunft ist noch nicht da, nur dieser Augenblick ist wirklich. Wenn wir uns auf ihn konzentrieren und mit ihm eins werden, verwirklichen wir die Ewigkeit, genau jetzt.

RoSi 1406-09/2017