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Guckst Du | Texte | Kusen - Mündliche Unterweisungen im Dojo

Die Dinge sehen, wie sie sind

Bleibt während Zazen aufmerksam auf euren Körper. Hört immer wieder in euch hinein. Wie ist die Position der Schultern? Wie ist die Stellung des Beckens? Ist mein Gesicht entspannt? Die Stirn, die Augenbrauen, der Mund, die Kiefergelenke. Wie tief geht die Ausatmung?
Korrigiert euch sanft. Die Körperhaltung ist nicht starr, sie bleibt geschmeidig in einem Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung.

Das gleiche gilt für das Bewusstsein. Nicht nachdenken, nicht seinen Gedanken folgen, die Aufregung im Geist beruhigen. Sich aber auch nicht an das Nicht-Denken klammern oder vor sich hindämmern, denn das Bewusstsein bleibt wach.
Wenn ihr zu viel denkt, achtet besonders auf die Ausatmung und konzentriert euch auf den Punkt unterhalb des Nabels, auf die Berührung der Handkanten mit dem Unterbauch. Seid ihr hingegen müde, beobachtet besonders die Einatmung. Atmet mehrmals tief ein und aus und konzentriert euch auf den Punkt zwischen den Augenbrauen.

Das Bewusstsein existiert nicht aus sich selbst heraus. Wir sind uns immer über etwas bewusst, über etwas, dass wir durch unsere Sinnesorgane wahrnehmen oder dass sich in unserem Geist bildet. Eine Wahrnehmung im Bewusstsein löst allerlei Gedanken aus: Erinnerungen, Konditionierungen, Assoziationen, Wünsche, sie reihen sich aneinander und verhindern letztlich, dass wir die Dinge, die Wirklichkeit, so sehen wie sie sind.
Meister Kodo Sawaki sagte: „Wir betrachten die Welt immer durch die von unserem vergangenen Karma und unserer Verblendung gefärbten Brille.“

Zuerst ist da nur eine Wahrnehmung: ein Geruch oder ein Geräusch. Diese Wahrnehmung erinnert uns an etwas, ein Begriff fällt uns ein, zum Beispiel: „es riecht nach Sandelholz“ oder „da fährt ein Krankenwagen vorbei“. Daraus entsteht eine Empfindung: der Duft ist angenehm, oder das Geräusch ist beklemmend. Und so weiter und so fort.

Wenn wir In Zazen erkennen, wie sich so ein Bild in unserem Bewusstsein zusammensetzt, sind wir diesem Prozess nicht mehr unterworfen. Wir können das Aneinanderreihen der Gedanken unterbrechen und das Bild ganz natürlich loslassen, indem wir uns wieder auf das Hier und Jetzt konzentrieren, auf den gegenwärtigen Augenblick. Wir halten nichts fest und laufen nichts hinterher.

So kann der Geist zur Ruhe kommen und das Bewusstsein klar werden. Dann sind wir wieder in der Lage, die Dinge so zu sehen, wie sie sind, uns selber so zu sehen, wie wir wirklich sind, ohne gefärbte Brille, ohne vorgefertigte Meinung, unabhängig von unseren Konditionierungen. Wir können klar die Unbeständigkeit aller Dinge sehen, ihre Leerheit und ihre wechselseitigen Beziehungen.

Mit dieser rechten Sichtweise ist unser Geist immer in der Gegenwart. Es entstehen keine diffusen Ängste mehr, die die Zukunft betreffen, oder wir trauern der Vergangenheit nicht mehr nach. Die Samen des vergangenen Karmas, die in diesem klaren Bewusstsein, in Zazen erscheinen, werden auf natürliche Weise gereinigt. Wir bekämpfen sie nicht, wir folgen ihnen nicht, wir geben ihnen einfach keine Energie, mit der sie sich entfalten können.

So wird der Geist friedlich und frei. Da er aufgehört hat, immer mit sich selber beschäftigt zu sein, werden wir offen für unsere Umgebung, für die anderen Wesen, die weiterhin unter ihrer verblendeten Sichtweise leiden. Mitgefühl stellt sich ein.

RoSi 0205-07/17